Ein unfertiges Modellhaus steht auf mehrern Bündeln von Geldscheinen. (Foto: picture alliance / Zoonar | Wolfgang Filser)

Immobilienmarkt im Saarland enorm unter Druck

Sarah Sassou / Onlinefassung: Axel Wagner   09.07.2022 | 13:43 Uhr

Immobilien bleiben im Saarland teuer und gefragt. Bauherren kämpfen mit massiv gestiegenen Kosten. Einige müssen ihre Projekte aufgeben, und bezahlbare Miet- und Eigentumswohnungen sind rar gesät. Der Immobilienverband Deutschland sieht eine historisch schwierige Situation – aber auch Lichtblicke.

Im Saarland wohnen die meisten Eigenheimbesitzer, so die Statistik. Ob Haus oder Eigentumswohnung, die Saarländer leben eben am liebsten in den eigenen vier Wänden. Doch die unsichere weltpolitische Lage mit dem Ukraine-Krieg, der Mangel zum Beispiel an Baustoffen und die Inflation machen es gerade nicht einfach, an ein Eigenheim ranzukommen. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) West hat seinen Preisspiegel für die vergangenen 12 Monate vorgestellt.

Historisch hohe Inflationsraten

„Ich bin jetzt 31 Jahre Makler. So eine Zeit habe ich noch nicht erlebt“, sagt Burkhard Blandfort aus Saarlouis. Damit meint der Vorsitzende des IVD West, zu dem auch das Saarland gehört, die aktuelle Wirtschaftslage. Ukraine-Krieg, Energiekriese und Lieferprobleme zugleich. „Alles stürzt parallel auf die Menschen ein mit historisch hohen Inflationsraten.“

Wo die Häuser im Saarland am teuersten sind
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 09.07.2022, Länge: 03:12 Min.]
Wo die Häuser im Saarland am teuersten sind

Das wirkt sich natürlich auch auf den Immobilienmarkt aus. Doch noch ist der Effekt hier moderat. Die Kaufpreise für Wohnhäuser sind innerhalb der vergangenen zwölf Monate um fünf bis acht Prozent gestiegen. Laut einer Erhebung der Landesbausparkasse (LBS) kostet ein freistehendes Einfamilienhaus im Saarland im Schnitt 370.000 Euro.

Ähnliche Preise werden in Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgerufen. Im Raum München liegt der Preis für eine solche Immobilie bei 2,2 Millionen Euro. Es gilt also weiterhin: Die Lage bestimmt den Preis. Eigentumswohnungen im Saarland sind um vier bis sechs Prozent teurer geworden, so der Immobilienverband IVD.

Wunsch nach eigenen vier Wänden bleibt

Nach wie vor wollen die Saarländer Wohneigentum. Die Quote liegt bei fast 60 Prozent, damit bleibt das Saarland im bundesweiten Vergleich Spitzenreiter. Aber es wird schwieriger, den Traum, ob Neubau oder Gebrauchtimmobilie, zu verwirklichen. Denn die Banken vergeben ihre Kredite vorsichtiger und verlangen mehr Sicherheiten in Form von Eigenkapital. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten zum Beispiel für Baumaterialien.

Die LBS hat in ihrer aktuellen Analyse für Wohnraum unter Immobilienkäufern erfragt, wie sie mit den gestiegenen Kosten für Immobilien umgehen. Rund 86 Prozent gaben an, dass sie einen Zuschuss von den Eltern bekommen haben, 74 Prozent nehmen einen höheren Kredit auf und 61 Prozent verkaufen oder beleihen vorhandene Immobilien dafür.

Verkauf von kompletten Bauprojekten

Aber das reicht nicht immer, hat der Saarbrücker Makler Uli Lorscheider festgestellt und wartet mit einem Beispiel aus seiner Praxis auf. Einer Familie habe er ein Baugrundstück vermittelt, dort wollte sie ein Einfamilienhaus bauen. 550.000 Euro hatte der Bauträger kalkuliert, mittlerweile seien die Kosten auf 750.000 Euro gestiegen. Zu viel für die Familie. „Sie überlegt, das Grundstück wieder zu verkaufen und sich ein gebrauchtes Haus zu suchen“, sagt Lorscheider. In seinem Portfolio tauchen plötzlich neue Produkte auf. „Ich hab tatsächlich schon Projekte mit Bauunterlagen und Baugenehmigung im Angebot, wo das Bauvorhaben dann komplett verkauft wird.“

Auf dem Land sind Immobilien weiterhin günstiger zu bekommen. Aber die Immobilienmakler haben festgestellt, dass die Nachfrage nach Häusern dort zurückgegangen ist. „Die fehlende Infrastruktur schreckt einige ab. Kindergärten und Schulen fehlen oder eine schlechte Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel“, sagt Burkhard Blandfort vom Immobilienverband. Hinzu kommt: In der Pandemie hat sich das Homeoffice verbreitet, aber in einigen ländlichen Gebieten im Saarland reicht die Breitbandversorgung nicht aus.

Wenig Angebote für Normalverdiener

Also bleibt die Nachfrage in den Städten hoch. Käufer mit einem entsprechenden Budget werden auch fündig, so die Makler. Das trifft auch bei Eigentumswohnungen zu.  Denn Investoren können gerade mit luxuriösen Eigentumswohnungen Geld verdienen. Hier fange der Quadratmeter Preis bei zehn bis zwölf Euro an.

Das Angebot für Normalverdiener wird knapp bleiben, davon geht die LBS-Studie aus – zumal die Nachfrage wegen der Zins- und Einkommensentwicklung gedämpft ist. Auch Material- und Fachkräftemangel werden laut LBS-Analyse dafür sorgen, dass das Wohnungsangebot knapp bleiben wird.

Bezahlbare Mietwohnungen - Fehlanzeige

Mietwohnungen für Normal- und Geringverdiener werden dagegen immer noch zu wenig gebaut, so der Immobilienverband. Wegen der derzeit unsicheren Lage seien einige Projekt gestoppt oder aufgegeben worden, so Blandfort. Doch im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland sei die Lage im saarländischen Mietwohnbereich noch relativ entspannt.

„Wir haben nicht die Menge Nachfragen pro Wohnung wie in anderen Gegenden. Aber eines ist klar: Nur mit Neubauten können wir auch hier die Lage noch weiter entspannen.“ Investoren sind aber an solchen Projekten nicht interessiert, weil sie nicht genug damit verdienen können. „An der Stelle ist natürlich die öffentliche Hand gefordert, denn ohne Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau kann das nicht gelingen“, sagt Blandfort.

Weniger Büroräume benötigt

Einen Überschuss dagegen gibt es derzeit an Büroflächen in den Städten. Viele Firmen haben Homeoffice-Regelungen eingeführt und brauchen viel weniger Büroplätze als vor der Pandemie. „Besonders gefragt sind moderne Büroflächen“, sagt der Saarbrücker Makler Uli Lorscheider.

„Ganz schwer vermarkten lassen sich dagegen alte Flächen. Sie werden mittlerweile auch schon zu Wohnraum umgebaut, und der Trend wird sich noch fortsetzen.“ Lorscheider geht auch davon aus, dass Ladenlokale vor allem in ländlichen Gebieten künftig anders genutzt werden, weil sie sich nur schwer vermieten lassen.

Wohnimmobilien - „Zeit der Höchstpreise ist vorbei“

„In meinem Ort hat sich zum Beispiel eine Künstlergruppe in einem ehemaligen Geschäft niedergelassen.“ Die Situation in den Städten habe sich auch verändert. Selbst in de Toplagen wie der Saarbrücker Bahnhofstraße dauert es mittlerweile, bis ein Ladenlokal wieder vermietet ist. Aber auch hier wird der Preis es regeln, davon geht der Immobilienverband aus.

Und das gilt auch für die Wohnimmobilien. „Die Zeiten der Höchstpreise sind vorbei“, sagt Burkhard Blandfort vom IVD West. „Dass keine Nachfrage nach Immobilien mehr da sein wird, davon ist nicht auszugehen. Die Preise werden sich einpendeln und das Saarland wird wahrscheinlich das Land mit der höchsten Eigentumsquote bleiben.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Sendung "Region am Sonntag" am 10.07.2022 berichtet.

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