Ein handgeschriebenes Schild mit der Aufschrift "Wir schließen" in einem Schaufenster (Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

IHK warnt vor Insolvenzwelle im Saarland

  25.10.2022 | 12:35 Uhr

Die Aussichten für die saarländische Wirtschaft bleiben weiter düster. 30 Prozent der Betriebe rechnen mit schlechteren Geschäften. Die Energiekrise drückt weiterhin auf die Stimmung. Die IHK warnt vor einer Insolvenzwelle und fordert die Politik zum Handeln auf.

Nach der aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland sehen die saarländischen Unternehmen wegen der Energiekrise weiter kein Licht am Ende des Tunnels.

Stahl- und Elektroindustrie noch positiv

Vor allem in der Industrie wird die Lage schlechter eingeschätzt, was auch durch eine leichte Verbesserung der Geschäftslage im Dienstleistungsbereich nicht kompensiert werden kann.

Insgesamt bewerten derzeit 34 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut oder sehr gut, 53 Prozent mit befriedigend und 13 Prozent mit schlecht. Gut laufen die Geschäfte laut IHK nur noch in der Stahl- und in der Elektroindustrie. Überwiegend befriedigend ist die Lage im Maschinen- und im Fahrzeugbau sowie bei den Gießereien.

17,8 Prozent Plus in der Industrie

Auch im Ernährungsgewerbe, in der Gummi- und Kunststoffindustrie, im Stahlbau, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen sowie in der Bauwirtschaft sind die Unternehmen noch zufrieden. Insgesamt sind die kumulierten Umsätze aller Industriebranchen von Januar bis August gegenüber 2021 im Saarland um 17,8 Prozent gestiegen, im Bund um 16,4 Prozent.

Im Dienstleistungsbereich berichten 85 Prozent der Betriebe von guten oder befriedigenden Geschäften. Wirklich gut läuft es nach IHK-Angaben allerdings nur noch in der IT-Branche. Bei Banken, Versicherungen und unternehmensnahen Dienstleistungen ist die Lage befriedigend. Das Hotel- und Gaststättengewerbe kämpft dagegen mit der kühlen Witterung und steigenden Corona-Fallzahlen.

Herausforderung Energiepreise

Hauptproblem für alle Betriebe sind aber die extrem gestiegenen Energiepreise. „Die Saarwirtschaft ist weiterhin erheblich unter Druck“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Frank Thomé.

"Im Moment haben wir auch im Handwerk etwas zu viel Krise zu erleben"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Bernd Reis, 26.10.2022, Länge: 03:47 Min.]
"Im Moment haben wir auch im Handwerk etwas zu viel Krise zu erleben"

Viele Unternehmen könnten die gestiegenen Kosten nicht komplett auf ihre Kunden umlegen. „Die Gefahr einer Insolvenzwelle nimmt damit deutlich zu.“ Die Politik, so Thomé müsse jetzt die Angebotsseite weiter stärken und zugleich „alles unterlassen, was Investitionen, Wachstum und Beschäftigung erschwert“.

Trübe Aussichten

Denn auch die Aussichten bleiben äußerst trübe. Nur fünf Prozent der Betriebe rechnen in den kommenden sechs Monaten mit besseren Geschäften, 30 Prozent erwarten dagegen eine Verschlechterung.

Die verbleibenden 65 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus. Vor allem in den Kernbranchen der Industrie habe der Pessimismus zugenommen, sagt Thomé und verweist auf die Rohstoff-, Material- und Personalknappheit, das steigende Zinsniveau, den starken US-Dollar und die fehlende Planungssicherheit.

Die Politik, so Thomé weiter, müsse nun dringend mehr Mut und Tatkraft bei der Digitalisierung, der Infrastruktur und der Beschleunigung von Planungsverfahren zeigen, um den Standort Deutschland zukunftsfest zu machen. Bei der geplanten Gas- und Strompreisbremse brauche es rasch Klarheit über die Details.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.10.2022 berichtet.

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