Das Fordwerk in Saarlouis (Foto: Imago Images/Becker & Bredel)

Saar-Wirtschaft 2019 geschrumpft

Ute Kunsmann   23.12.2019 | 19:54 Uhr

Die saarländische Wirtschaft schließt das Jahr mit einem negativen Ergebnis ab. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung der Industrie bei einem Minus von 0,5 Prozent liegen wird. 2020 sieht die IHK die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs - doch weitere Jobs würden verloren gehen.

Video [aktueller bericht, 23.12.2019, Länge: 3:04 Min.]
IHK zieht negative Bilanz für 2019

Die Saarwirtschaft hat in diesem Jahr vor allem zum Ende hin ordentlich Federn lassen müssen. Das Hauptproblem sei der rückläufige Export gewesen, sagt die IHK. Hinzu komme die schwache Investitionsnachfrage in Deutschland. Der private Verbrauch dagegen habe die Konjunktur etwas stützen können. Das sei unterm Strich aber zu wenig, um das Defizit beim Export wieder auszugleichen.

"Die saarländische Wirtschaft leidet insbesondere unter Handelskonflikten, aber teilweise auch unter dem Brexit", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen. "Deshalb ist der Fahrzeugbau in Bedrängnis geraten. Weltweit sind deutlich weniger Autos verkauft worden. Das haben wir hier im Saarland mit großem Anteil an Fahrzeugbau sehr deutlich gespürt." Etwa die Hälfte des hiesigen Sozialprodukts würde durch Umsätze im Fahrzeugbau erzielt.

Beschäftigung auf Rekordstand

Positiv in diesem Jahr: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat mit 393.000 Beschäftigten wieder einen neuen Rekord erreicht. Für das neue Jahr rechnet die IHK allerdings damit, dass die Industrie weitere 1500 bis 2000 Arbeitsplätze verlieren wird.

"Da sind natürlich schon die Zahlen eingepreist, die schon bekannt geworden sind", sagt Klingen. "Wir wissen, dass bei Ford die dritte Schicht wegfällt. Wir wissen auch, dass bei den Gusswerken aller Wahrscheinlichkeit nach Arbeitsplätze abgebaut werden. Da steht man ja noch in Verhandlungen und versucht zu retten, was zu retten ist. Wir hoffen, dass das erfolgreich ist. Aber unter dem Strich gehen wir davon aus, dass wir gerade in Industrie einen deutlichen Abbau sehen werden."

Arbeitskammer fordert Weiterbildungsoffensive

Die Arbeitskammer fordert deshalb eine Weiterbildungsoffensive, um der Konjunktur- und Strukturschwäche entgegenzuwirken. Das Saarland müsse eine Modellregion werden, in der Weiterbildung ein wichtiges Element im Strukturwandel sei. Mit der Hilfe von Bund und EU müsse man jetzt in zukunftsträchtige Technologien investieren.

"Dazu gehören für mich weiterhin Automotiv und Stahl dazu", sagt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer. "Ich gebe die Branchen nicht auf. Im Gegenteil. Das sind Zukunftsbranchen, wenn wir sie mit den grünen Anforderungen umsetzen." Dazu gehörte etwa eine Wasserstoffstrategie. Außerdem bräuchte es an den Hochschulen anwendungsorientierte Forschung, um neue Technologien bereitzustellen. "Wir werden aber sicherlich auch vereinzelt sektorübergreifende Qualifizierungsveränderungen begleiten müssen. Und da müssen wir vorbereitet sein."

Gesucht werden nach wie vor viele Fachkräfte in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen. Trotzdem ist die Erwartung der IHK für 2020 insgesamt nur "verhalten optimistisch."

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 23.12.2019 berichtet.

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