Fachkraft-Stellenanzeige (Foto: picture alliance | Christian Ohde)

10-Punkte-Plan gegen Arbeitskräftemangel

  04.11.2021 | 18:00 Uhr

Die Industrie- und Handelskammer des Saarlandes warnt anlässlich einer aktuellen Umfrage vor einem immer größer werdenden Arbeitskräftemangel. Ein 10-Punkte-Plan der Kammer soll Abhilfe schaffen.

Besonders ausgeprägt ist der Personalmangel nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) bei Facharbeitern und Fachangestellten sowie Auszubildenden. Eine Trendwende ist nach Einschätzung der IHK nicht in Sicht, im Gegenteil.

Video [aktueller bericht, 04.11.2021, Länge 2:48 Min.]
IHK warnt vor Arbeitskräftemangel

Angesichts der weiterhin hohen Abwanderung und des demographischen Wandels werde das Potenzial an Erwerbspersonen bis 2030 um 80.000 auf rund 530.000 Menschen sinken.

IHK warnt vor Wachstumsbremse

Nach einer aktuellen Umfrage der Kammer sagen 40 Prozent der Unternehmen, dass die zunehmende Personalknappheit bereits jetzt ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. In vielen Branchen droht der Arbeitskräftemangel sogar zur Wachstumsbremse zu werden.

In einem 10-Punkte-Katalog gibt die IHK deshalb Handlungsempfehlungen:

  • Das Potenzial der Älteren durch Weiterbildung, altersgerechte Arbeitsplätze, altersgemischte Teams und Gesundheitsförderung sollte stärker genutzt werden.

  • Die Frauen-Erwerbsbeteiligung sollte durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht werden. Die Erwerbsquote von derzeit 72 Prozent könnte zum Beispiel durch den Ausbau der Kita-Betreuungsangebote, flexible Arbeitszeit- und Arbeitsort-Modelle oder Wiedereinstiegsprogramme nach der Eltern-/Pflegezeit gesteigert werden.

  • Geflüchtete und hier länger lebende Migranten sollten besser in den Arbeitsmarkt integriert werden.

  • Die Abwanderung könnte durch eine Erhöhung der Bindekraft des Saarlandes und die Steigerung der Standortattraktivität gestoppt werden.

  • Insbesondere durch eine ganzheitliche, kohärente Anwerbestrategie des Landes könnte die qualifizierte Zuwanderung gesteigert werden.

  • Das Saarland-Marketing müsste zielgerichteter im Wettbewerb der Regionen um Arbeitskräfte positioniert werden.

  • Die duale Ausbildung sollte durch qualifiziertere Berufsorientierung an den Schulen gestärkt werden.

  • Es könnten mehr Studienabbrecher für duale Ausbildungen gewonnen werden.

  • Die Weiterbildungsbeteiligung sollte erhöht werden.

  • Die  Ingenieurwissenschaften an den Hochschulen könnten zum Beispiel durch eine nachhaltige Finanzierung der entsprechenden Studiengänge und deren zielgerichtete Bewerbung auch über die Landesgrenzen hinweg gestärkt werden

IHK fordert langfristige Strategien

„Der Schlüssel zum Erfolg liegt gerade darin, die Bindekraft des Landes zu steigern und dadurch junge Menschen in der Region zu halten“, so der  IHK-Geschäftsführer Dr. Carsten Meier.

Zugleich brauche es frische Ideen, eine langfristige Strategie und mehr Umsetzungsstärke, um Nachwuchskräfte aus anderen Bundesländern für den Lebens- und Arbeitsstandort Saarland zu begeistern.

162 Unternehmen an Unfrage beteiligt

An der aktuellen IHK-Umfrage zum Arbeitskräftemangel der Saarwirtschaft haben sich 162 Unternehmen mit rund 40.000 Beschäftigten beteiligt.

Erst vor kurzem hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) darauf hingewiesen, dass sich der Fachkräftemangel im Saarland zum Arbeitskräftemangel ausweitet.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 04.11.2021.

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