Aktionstag der IG Metall in Dillingen (Foto: Yvonne Schleinhege / SR)

Tausende Teilnehmer beim Aktionstag der IG Metall

mit Informationen von Yvonne Schleinhege   29.10.2021 | 20:01 Uhr

Am Freitag haben zahlreiche Industrie-Beschäftigte im Rahmen des IG-Aktionstags für ihre Zukunft und die Zukunft der Branche demonstriert. Bei den Veranstaltungen in Dillingen, Neunkirchen und Völklingen beteiligten sich insgesamt 7000 Menschen. Bundesweit sprach die IG Metall von rund 50.000 Teilnehmern.

Die Bilder sind beeindruckend: Schon seit Dienstag ist der Hochofen 4 der Dillinger Hütte hell erleuchtet. Mittendrin prangt das Logo der IG Metall. Mit diesem Lichtspiel hatte die Gewerkschaft den Aktionstag eingeläutet. Der hellstrahlende Hochofen ist für sie ein Zeichen der Einigkeit, der Kampfkraft, der Solidarität und der Zuversicht.

Ebenso beeindruckend ging der Aktionstag im Saarland auch zu Ende: Ein brennendes Herz aus Stahl, im Hintergrund das beleuchtete Weltkulturerbe – dazu über 3000 Metaller und Stahlbeschäftigte.

IG Metall wollte Zeichen setzen

Die IG Metall wollte Zeichen setzen, ein Signal nach Berlin senden, dort wo über die künftige Koalition verhandelt wird. Die Gewerkschaft fordert einen fairen ökologischen Wandel der Industrie – Klimaschutz dürfe nicht zu Lasten der Industriearbeiter gehen.

Video [aktueller bericht, 29.10.2021, Länge 3:08 Min.]
Tausende Teilnehmer beim Aktionstag der IG Metall

Bei der Abschlusskundgebung in Völklingen sprach auch Ministerpräsident Tobias Hans: Das Saarland müsse Industrieland blieben. Dafür kämpften nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Politik, so Hans.

3000 Menschen beim Auftakt in Dillingen

Bereits am Vormittag ist der Aktionstag mit über 3000 Menschen in Dillingen gestartet. Die meisten Teilnehmer des Sternenmarschs waren Beschäftigte von Ford und der Dillinger Hütte. Sie wollten so laut sein, dass man sie auch über die Grenzen Dillingens hinaus hören konnte. Am liebsten aber bis nach Berlin, wo seit Mittwoch die Koalitionsverhandlungen stattfinden.

"Deshalb wollen wir ein Signal an die Politik in Berlin senden, dass die Interessen der Beschäftigten dieser Branche nicht vergessen werden", so der IG Metall-Bevollmächtigte Lars Desgranges aus Völklingen vor dem Start des Aktionstags.

Die Politik müsse zudem die Rahmenbedingen schaffen, dass auch in Zukunft Fahrzeuge und Stahl in Deutschland produziert werden können. Die Gewerkschaft fordert daher unter anderem 500 Milliarden Euro öffentliche Investitionen bis 2030.

Im Neunkircher-Ellenfeldstadion hatten sich am Nachmittag über 1000 Beschäftige aus der Stahlindustrie und von den Autozuliefern haben versammelt. Auch sie wollten ein Zeichen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze setzen.

Tausende Beschäftigte auf der Straße

Beim IG Metall-Aktionstag am Freitag waren den ganzen Tag über tausende Beschäftigte unter anderem aus der Automobilindustrie und aus der Stahlbranche auf die Straße gegangen. In ganz Deutschland waren mehr als 50 Aktionen geplant, drei davon im Saarland.

Der Aktionstag fand unter dem Moto "FairWandel statt - sozial, ökologisch, demokratisch". Man sei für den ökologischen Wandel der Industrie, sagt Lars Desgranges von der IG Metall Vöklingen, "aber er muss dann eben auch fair verlaufen." Das heißt für die Gewerkschaft: Die Beschäftigten dürften nicht auf der Strecke bleiben, die Jobs in Deutschland müssen sicher sein.

Viel Verunsicherung bei den Beschäftigten

Tatsächlich trifft die ökologische Transformation der Wirtschaft beide Branchen hart. Der Weg hin zu CO2-freiem Stahl und weg vom Verbrennungsmotor bringt für die Beschäftigten vor allem viel Unsicherheit mit sich. Bei Ford in Saarlouis ist nach wie vor unklar, ob nach 2025 ein neues E-Auto-Modell produziert wird und ob es überhaupt weitergeht.

Tausende Metaller demonstrieren für fairen Strukturwandel und sichere Arbeitsplätze
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 29.10.2021, Länge: 03:59 Min.]
Tausende Metaller demonstrieren für fairen Strukturwandel und sichere Arbeitsplätze

Erst Anfang der Woche unterzeichneten Vertrauensleute der IG Metall beim Automobilzulieferer ZF eine Resolution, in der sie nochmals Zukunftsprodukte abseits der Verbrennertechnologie für die deutschen Standorte einforderten.

"Unser Aktionstag richtet sich nicht nur an die Politik", sagt Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen, "es müssen auch die entsprechenden Entscheidungen in den Firmenzentralen getroffen werden, dass auch in Deutschland und im Saarland investiert wird.

Welche Bedeutung die Stahlindustrie und die Autobranche für das Saarland haben, ist klar: 44.000 Beschäftigte arbeiten in der Autoindustrie, 14.000 in der Stahlindustrie.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 29.10.2021.

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