Josef Dörr (Foto: dpa / Oliver Dietze)

„Alle, die ins Land rein wollen, müssen kontrolliert werden!“

Uli Hauck   02.02.2019 | 11:27 Uhr

Der Chef der Saar-AfD, Dörr, dringt auf eine ausnahmslose Kontrolle bei der Zuwanderung. Den offiziellen Flüchtlings- und Asylzahlen der Bundesregierung traut er nicht. Der 80-jährige Dörr stellt sich am Sonntag auf dem Parteitag der Saar-AfD als Landesvorsitzender zur Wiederwahl.

Er finde es nicht in Ordnung, so AfD-Chef Dörr wörtlich im SR 2-Interview der Woche, wenn „Völkerscharen“ unkontrolliert über die Grenze kommen. Dass die Zahl der Asylanträge zuletzt massiv gesunken ist, ist für den 80-Jährigen dabei kein Argument. Denn den offiziellen Zahlen des Bundesinnenministeriums, wonach beispielsweise 2018 mit rund 162.000 Erstanträgen rund 18 Prozent weniger Anträge als 2017 gestellt wurden, glaubt er einfach nicht. Er traue den Zahlen nicht, die er lese oder höre, so Dörr sehr grundsätzlich. Wenn es heißt, die Zahlen seien zurückgegangen, sage ihm das überhaupt nichts.

Außerdem, so Dörr weiter, wenn die Zahl der Einwanderer von einer Million im Jahr auf eine halbe Million sinke, dann sei es immer noch eine halbe Million, die vorher nicht da war. Eine populistisch einfache Rechnung, die das Leid vieler Kriegsflüchtlinge und das deutsche Grundrecht auf Asyl einfach komplett ignoriert.

Frankreich macht „Interessenpolitik“

Frankreich wirft der AfD-Politiker vor, es mache „eiskalte Interessenpolitik“. Da Deutschland „seit dem letzten Krieg immer das Gefühl habe, eine Bringschuld zu haben“, müssten die Deutschen dabei immer die Freunde sein. Schaut er auf die direkte Nachbarschaft, argumentiert Dörr weniger aggressiv, bezeichnet sich im Interview der Woche selbst als „Grenzgänger“ und spricht von „französischen Freunden". Im Departement Moselle täten sie, was sie können, aber sie könnten halt wegen des französischen Zentralismus nicht viel machen, findet der AfD-Politiker.

Trotz der grundsätzlichen Frankreich-Kritik von Fraktionschef Dörr: Die AfD hat unlängst den gemeinsamen Antrag aller Fraktionen unterstützt, die Zusammenarbeit mit dem Departement Moselle zu verbessern. Allerdings bleibe er „skeptisch“, so Dörr, weil das Saarland zu wenig Geld zur Verfügung stelle.

AfD-interne Querelen – versprochener Mitgliederzuwachs deutlich verfehlt

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Hecker tritt nicht mehr als AfD-Vize an [01.02.2019]
Der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD im Saarland, Lutz Hecker, wird künftig nicht mehr dem Landesvorstand angehören. Der 49-Jährige wird beim AfD-Parteitag am Sonntag in Quierschied nicht mehr kandidieren.

In Bezug auf seine Ankündigung bis zum Jahr 2017 habe die Saar-AfD 1000 Mitglieder, musste Parteichef Dörr im SR-Interview sein Scheitern einräumen: Man habe ein „ehrgeiziges Ziel“ verfehlt. Derzeit hat die Landespartei noch nicht einmal 500 Mitglieder und ist damit erheblich kleiner als die anderen wesentlichen Parteien im Saarland. Ursachen für die niedrige Mitgliederzahl findet Dörr aber nicht bei sich und seinem Landesvorstand, sondern bei anderen. Man sei von der Bundespartei wegen zahlreicher Verfahren gestört worden, außerdem müsse man als AfD „sehr vorsichtig sein, wen man aufnehme“, argumentiert er im SR 2-Interview.

Von seinem bisherigen Stellvertreter und Kritiker Lutz Hecker, der beim Parteitag in Quierschied nicht mehr kandidieren wird, ist der AfD-Chef „enttäuscht“. Dörrs Vorwurf: Hecker habe sich in den Landesvorstand wählen lassen, dann aber immer gegen den Landesvorstand agiert. In der Landtagsfraktion, so behauptet Dörr, arbeite man aber trotzdem weiterhin zusammen.

Der Schluss, dass Dörr parteiinterne Kritiker nicht besonders gerne sieht, lässt sich auch aus dem Umgang mit dem einzigen saarländischen AfD-Bundestagsabgeordneten Christian Wirth ziehen. Auch hier, so gibt Dörr zu, gebe es keine „nennenswerte Zusammenarbeit“. Der 80-Jährige sieht aber auch in diesem Fall nicht sich, sondern den Bundestagsabgeordneten in der Pflicht, mit der AfD-Landesspitze zusammenzuarbeiten.

Das Interview der Woche war auch Thema im SR 2 KulturRadio am 02.02.2019.

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