Radrennfahrerin Lisa Kromm bei einem virtuellen Bundesliga-Rennen. (Foto: picture alliance / augenklick / GES)

Onlinetools können Vereinsleben nicht ersetzen

Thomas Braun   13.07.2020 | 17:14 Uhr

Durch die Coronakrise ist auch das Vereinsleben zeitweilig fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch wenn viele Vereine versucht haben, das Vereinsleben virtuell aufrecht zu erhalten - wirklich zufrieden waren sie damit nicht, wie aus einer bundesweiten Umfrage der HTW Saar hervorgeht.

Rund 90 Prozent der Vereine konnten demnach während des Lockdowns in Deutschland ihren Aktivitäten nicht mehr nachgehen. Gemeinsame Proben, vereinsinterne Veranstaltungen aber auch öffentliche Aktivitäten - vieles musste abgesagt werden. Und virtuellen Ersatz gab es nur bedingt. Zwar haben die meisten Vereine sich intern über Messenger-Gruppen und Mails und teilweise auch per Videokonferenz ausgetauscht - hauptsächlich um den Kontakt untereinander zu halten und den Verein zu managen.

HTW-Studie: "Man kann viele Dinge nicht ins Virtuelle bringen"
Audio [SR 3, 13.07.2020, Länge: 03:05 Min.]
HTW-Studie: "Man kann viele Dinge nicht ins Virtuelle bringen"

Wirklich zufrieden mit den virtuellen Möglichkeiten war allerdings nur ein Viertel der Umfrageteilnehmer. Weitere 40 Prozent zeigten sich immerhin teilweise zufrieden. Jeder Dritte war aber auch gar nicht zufrieden, was den Mitautor der Studie, Prof. Christian Köhler, nicht verwundert. "Das liegt auch in der Natur des Vereins, weil es ja ein Treffpunkt für Menschen ist, die dort zusammen kommen wollen. Man kann viele Dinge nichts ins Virtuelle übertragen", sagte Köhler dem SR.

Vereinsmanagement vermehrt digitalisiert

Der weitaus größte Teil der Umfrageteilnehmer waren Vertreter von Sport- und Musikvereinen - und diese Aktivitäten ließen sich eben nur bedingt auch virtuell gemeinsam ausüben. "Man kann vielleicht das Vereinsmanagement in manchen Bereichen digitalisieren", ergänzte Köhler. Vieles, was gerade in diesem Bereich jetzt aber in der Not umgesetzt wurde, wird vielleicht sogar bleiben. Gerade die Informationsweitergabe oder auch Terminkoordination wird - wenn es nach der Mehrheit der Umfrageteilnehmer geht - auch künftig verstärkt online stattfinden.

Finanziell mussten drei Viertel der Vereine zumindest teilweise Einbußen verkraften, eine richtige Krise wurde dabei aber nur bei etwa jedem sechsten Verein ausgelöst. Um die Vereine zu unterstützen, hat die Landesregierung vor kurzem ein Zehn-Millionen-Euro-Programm aufgelegt.

Hintergrund

Die Online-Umfrage der HTW fand zwischen dem 30. April und 20. Mai statt und wurde bundesweit unter anderem über die Verbände gestreut. 1976 Vereinsvertreter beteiligten sich daran - größtenteils Vorstandsmitglieder. Mit am meisten Rücklauf auf die Umfrage gab es aus dem Saarland.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag von 13.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja