Pflegekräfte gehen einen Krankenhausflur entlang (Foto: IMAGO / Shotshop)

Betten, Ausbildung, Geld - das bedeuten die Pläne des Landes

Nelly Thelen   18.09.2021 | 18:40 Uhr

Nachdem kleinere Krankenhäuser geschlossen und Kapazitäten an größere Standorte verlegt wurden, gibt es Geld vom Land und neue Versorgungsaufträge für die gewachsenen Kliniken. Im ländlichen Raum verkürzen sich teils die Fahrtwege zu einer Spezialklinik.

Welche Klinik im Saarland bekommt für ihre Infrastruktur wie viel Geld vom Land, in welchem Krankenhaus ist welche Behandlung möglich und wie viele Betten hat eine Klinik? Darüber entscheidet letztendlich das Land als Planungsbehörde. Außerdem plant das Land auch die Ausbildungsplätze in den Krankenhäusern.

Spezialisierung und Zentrumsbildung

Nachdem es in den letzten Jahren viel Bewegung in der saarländischen Krankenhauslandschaft gab, hat die Landesregierung ihren Krankenhausplan nun angepasst. Und betont: Sie schließt keine Häuser und fügt auch keine zusammen.

Aber in den vergangenen Jahren haben die Krankenhausträger meist mit der Begründung der fehlenden Wirtschaftlichkeit bereits kleinere Standorte geschlossen oder die Schließung angekündigt und Standorte zusammengelegt. Die Corona-Pandemie hat dies noch beschleunigt.

Es ist also das passiert, worauf auch von Seiten der Politik immer wieder verwiesen wird: Spezialisierung, Schwerpunkt- und Zentrumsbildung. Kliniken im Saarland sind zusammengewachsen zu größeren Einheiten. Und nun werden diese größeren Einheiten von der Landespolitik in der erweiterten Planung mit weiteren Versorgungsaufträgen und Geld bedacht.

Neues Konzept für die medizinische Versorgung im Nordsaarland

Konkret bedeutet das zum Beispiel: Im Landkreis Merzig-Wadern wird das Krankenhaus Merzig gestärkt: 48,5 Millionen Euro sind für einen Teilersatzneubau vorgesehen. Das Land fördert diese Baumaßnahme zu 100 Prozent.

Auch bei den Behandlungsmöglichkeiten wird das Krankenhaus gestärkt: Es kann sich um eine überregionale Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung bemühen. Dafür braucht es aber auch die Zertifizierung durch die Fachgesellschaften. Zusätzlich erhält die SHG Klinik in Merzig einen kardiologischen Versorgungsauftrag zur verstärkten und spezialisierten Herzinfarktbehandlung. Das stärkt die Notfallversorgung im nördlichen Saarland.

Außerdem erhält die SHG 15,8 Millionen für den Neubau in Wadern, das entspricht einer Förderung von über 80 Prozent durch das Land. Diese neue Einrichtung bringt ambulante und stationäre Versorgung in Wadern zusammen. Sie wird eng mit der SHG Klinik in Merzig zusammenarbeiten und soll so auch stationäre medizinische Versorgung im Nordsaarland sicherstellen.

Geld für Marienhaus

Nach der Verlegung von Stationen aus Losheim und Ottweiler in die Marienhausklinik in St. Wendel kommt jetzt die Förderung des Landes: Etwa eine neue Zentrale Notaufnahme, eine Chest Pain Unit für Herznotfallpatienten und Herzkatheter-Messplätze werden hier zu 50 Prozent mit zwölf Millionen Euro gefördert.

Außerdem erhält auch St. Wendel einen Versorgungsauftrag in der Schlaganfallversorgung. Nach der Zertifizierung durch die Fachgesellschaften kann auch hier eine überregionale Stroke Unit arbeiten.

Baustellen im Landkreis Saarlouis

Um das Krankenhaus in Lebach gab es ein langes hin und her. Jetzt aber sollen hier die ersten Bagger rollen. Ein neues Bettenhaus soll entstehen. Es wird vom Land zu 50 Prozent gefördert mit 30 Millionen Euro.

Die Kreisstadt Saarlouis hat zwei Krankenhäuser: eines in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes und eines der Marienhausgruppe. Das Land erteilt den beiden Kliniken einen gemeinsamen Versorgungsauftrag in der Gynäkologie. Weitere Kooperationen sind wohl wahrscheinlich.

Problemfall Neunkirchen

Viel Wirbel gab es zuletzt um die Kreuznacher Diakonie und ihre beiden Kliniken in Neunkirchen. 85 Millionen Euro hatte das Land für die Pläne des Trägers vorgesehen, die beiden Standorte zusammenzuführen. Die Kreuznacher Diakonie plant mittlerweile den Verkauf des Diakonie Krankenhauses. Jetzt wird abgewartet, welcher Träger sich für das Krankenhaus findet. Die Marienhausklinik in Neunkirchen-Kohlhof soll in ihrem Schwerpunkt Kinder und Jugendmedizin gestärkt werden.

70 Millionen für die Caritas im Regionalverband

Die größte Fördersumme geht im Regionalverband Saarbrücken an das Caritas Klinikum auf dem Rastpfuhl: 70 Millionen Euro will das Land dort für einen Neubau ausgeben, in den die Betten des Standortes Dudweiler verlagert werden.

Die Zusammenarbeit zwischen der Gynäkologie des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg und der des Caritas Klinikums Saarbrücken ist gescheitert, deshalb erhält das Klinikum Saarbrücken den Versorgungsauftrag in der Gynäkologie zurück. Spannend dürfte in Saarbrücken die Zukunft des evangelischen Krankenhauses der Kreuznacher Diakonie sein.

Förderung von 1,1 Milliarden Euro in 18 Jahren

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen bis zum Jahr 2039 insgesamt 1,1 Milliarden Euro in die Kliniken im Saarland fließen, davon über 800 Millionen aus öffentlicher Hand, sowie 300 Millionen Eigenanteil der Kliniken.

800 Millionen für 18 Jahre bedeuten rein rechnerisch jährlich rund 44 Millionen Investitionskostenzuschuss durch das Land. Allein im laufenden 2021 will das Land aber schon über 80 Millionen in die Kliniken investieren.

Weniger Betten als geplant, aber mehr Ausbildungsplätze

Hatte die Landesregierung 2018 noch einen Bettenaufbau um 500 Betten bis 2025 verkündet, sinkt dieser in der erweiterten Planung nun um 100 auf 6771 Betten.

In der Erweiterung der Krankenhausplanung bis 2025 sieht die Landesregierung eine Steigerung der Ausbildungsplätze auf rund 2800 vor, davon rund 2030 in den Pflegeberufen. Damit erhöht die Landesregierung die Ausbildungsplätze um über 200 im Vergleich zur vorherigen Planung.

Selbst Kritiker dieser Krankenhausplanung wie die Gewerkschaft Verdi begrüßten das sehr. Gleichzeitig bemängelt Verdi aber, dass es weiterhin an verbindlichen Vorgaben fehle, wie viele Pflegekräfte in Früh-, Mittag und Nachtschicht auf den Stationen vorzuhalten sind.

Neuer Krankenhausplan noch nicht öffentlich

Noch ist die Erweiterung des Krankenhausplanes nicht öffentlich zugänglich. Erst nach der Veröffentlichung im Amtsblatt, voraussichtlich im Oktober, gebe es Zugriff darauf, teilte das Gesundheitsministerium mit.

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