Soldaten unterstützten das Gesundheitsamt bei der Corona-KontaktnachverfolgungSoldaten unterstützten das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Stefan Sauer)

Erfolge und Grenzen bei der Kontaktverfolgung

Thomas Braun   30.01.2021 | 08:50 Uhr

In den saarländischen Kreisen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich über der 50er Zielmarke. Die Suche nach der Ansteckungsquelle eines Coronafalls gestaltet sich weiter schwierig. Vergleichsweise erfolgreich läuft hingegen die Ermittlung von Kontaktpersonen - aus mehreren Gründen.

Bis zu 200 neue Coronafälle pro Tag bekomme man derzeit gut abgearbeitet, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband, Alexander Birk, vor einer Woche im SR-Interview. Eine Größenordnung, die erst einmal überrascht - wo doch die Politik als eines der wichtigsten Ziele des Lockdowns anführt, das Infektionsgeschehen so weit zu senken, dass die Gesundheitsämter Kontakte wieder erfolgreich nachverfolgen können.

Betroffene haben derzeit viel weniger Kontakte

Dass die Kontaktnachverfolgung auch bei hohen Fallzahlen derzeit gut funktioniert, hat unter anderem mit dem Lockdown zu tun, wie der Regionalverband auf SR-Nachfrage mitteilte. "Aktuell hat ein positiv auf Corona getesteter Mensch bis zu fünf Kontaktpersonen. Vor dem Lockdown waren es durchschnittlich 20", sagte ein Sprecher.

So könnten in einigen Fällen bereits mit dem ersten Anruf alle Kontaktpersonen ermittelt werden, weil sich die Kontakte auf den eigenen Haushalt beschränken. Wenn es zu Lockerungen komme, werde auch die Fallermittlung automatisch wieder aufwendiger.

Mehr Personal, eingespielte Abläufe

Hinzu komme, dass das Personal in den Ämtern deutlich aufgestockt wurde und die Arbeitsabläufe eingespielter seien. Auch die externen Kräfte seien mittlerweile gut ausgebildet. Alleine im Regionalverband sind derzeit mehr als 150 Menschen in der Pandemiebekämpfung tätig - eingeteilt in feste Tätigkeitsbereiche. Um Corona-Ausbrüche in Senioreneinrichtungen kümmert sich beispielsweise ein Pflegestab mit elf Personen, für das Kontaktpersonen- und Quarantänemanagement sind 42 Mitarbeiter zuständig, darunter auch 20 Bundeswehrsoldaten.

Auch im zweitgrößten saarländischen Landkreis, in Saarlouis, funktioniert die Kontaktnachverfolgung derzeit trotz der immer noch hohen Fallzahlen gut. Die Erklärung ist ähnlich: deutlich weniger Kontakte bei Betroffenen, mehr Personal im Gesundheitsamt und zudem verbesserte digitale Abläufe, wie etwa elektronische Labormeldungen.

Rückwärtsverfolgung weiterhin schwierig

Dass die Kontakte derzeit erfolgreich nachverfolgt werden können, heißt allerdings noch lange nicht, dass man auch wieder mehr über die Ansteckungsquellen weiß. Denn die Kontaktnachverfolgung besteht grundsätzlich aus zwei Teilen: der Vorwärts- und der Rückwärtsverfolgung. Die Vorwärtsverfolgung ist das, was derzeit jeweils zeitnah umgesetzt wird: Kontaktpersonen eines positiv Getesteten ermitteln und in Quarantäne schicken.

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Rückwärtsverfolgung. Auch wenn sich aktuell anhand der Kontaktpersonen nachvollziehen lasse, dass wohl "viel auch am Arbeitsplatz passiert", wie Gesundheitsamtsleiter Birk sagte, bleibt die Ansteckungsquelle bei den meisten Coronafällen doch unklar.

Dunkelziffer und asymptomatische Verläufe erschweren die Suche

Zwar versuchten die Gesundheitsämter in Gesprächen mit den Betroffenen, mögliche Risiko-Situationen in der Vergangenheit ausfindig zu machen, sagt der Regionalverband. Aber unter anderem die zahlreichen asymptomatischen Verläufe und eine möglicherweise höhere Dunkelziffer machten es oft schwierig, die Ansteckungsquelle zu finden.

Bei einem insgesamt niedrigeren Infektionsgeschehen dürfte aber auch die Dunkelziffer niedriger sein - und somit auch die Rückwärtsverfolgung einfacher werden.

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