Dr. Wolfram Henn (Foto: Deutscher Ethikrat/Reiner Zensen)

Henn will Impfpflicht für Berufsgruppen

Mit Informationen des epd   01.08.2021 | 15:29 Uhr

Der Saarbrücker Medizinethiker Wolfram Henn fordert eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, darunter Mitarbeiter in der Personenbeförderung. Die juristischen Hürden hält er für klein. Auch in der Schule und beim Pflegepersonal sieht Henn Handlungsbedarf.

In einem Gastbeitrag für die „Augsburger Allgemeine“ tritt Wolfram Henn für eine berufsbezogene Impfpflicht ein. „Eine Krebspatientin sollte sich darauf verlassen können, dass der Taxifahrer, der sie zur Chemotherapie bringt, sie nicht unnötig gefährdet.“

Henn: Juristische Hürden klein

Auch Lehrkräfte und Pflegepersonale müssten zur Impfung verpflichtet werden, schreibt Henn. Der Humangenetiker und Medizinethiker, der an der Universität des Saarlandes lehrt, ist seit 2013 stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer und seit 2016 Mitglied des Deutschen Ethikrates.

Die juristischen Hürden hält Henn für klein. Wenn man bereits bestehende Vorgaben des Arbeits- und des Beamtenrechts sinnvoll anwende, lasse sich schon jetzt eine berufsbezogene Impfpflicht realisieren.

Patientenschutz vor Datenschutz

Eltern von Schulkindern rät der Mediziner, die Lehrer gezielt zu fragen, ob sie geimpft seien. Dadurch entstehe bei Impfgegnern zumindest die moralische Pflicht, sich rechtfertigen zu müssen.

Bei Pflegepersonal müsse Patientenschutz vor Datenschutz gehen, so Henn. Es dürfe nicht sein, dass eine hochgefährdete Patientin nicht erfährt, ob die zu ihr ins Haus kommende Pflegeperson geimpft oder als „ambulanter Superspreader“ unterwegs sei.

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