Eine Produktionsstraße im Fordwerk in Saarlouis (Foto: IMAGO/Becker&Bredel)

Harsche Kritik am Ford-Management im Saar-Landtag

mit Informationen von Janek Böffel   22.06.2022 | 10:42 Uhr

Die Entscheidung im Bieterwettstreit bei Ford ist zu Gunsten Valencias gefallen. Der saarländische Landtag hat am Mittwoch in der Plenarsitzung bereits scharfe Kritik am Ford-Management geübt.

Die Wortwahl in der Plenarsitzung des saarländischen Landtages am Mittwoch in Bezug auf das Ford-Management war deutlich.

Das Gebaren sei eine Schande, so SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon, das sei keine soziale, sondern "asoziale Marktwirtschaft". "Dieses Management hat eiskalt und rücksichtslos Tausende Arbeitnehmer in Saarlouis und Valencia gegeneinander ausgespielt", sagte Commerçon. Existenzielle Ängste seien geschürt, Menschen um den Schlaf gebracht worden.

"Nicht nur irgendein Angebot"

Der Fraktionschef der CDU, Stephan Toscani, erklärte indes, dass das Saarland schon in der großen Koalition "nicht nur irgendein Angebot, sondern das beste Angebot gemacht" habe. Jetzt müsse Ford eine verlässliche Zukunftsperspektive bieten.

Seit Jahren lebten die Beschäftigten in Ungewissheit über die Zukunft. Sie hätten Kurzarbeit, die Streichung einer Nachtschicht und den Wegfall ganzer Produktionslinien mitgetragen, um den Standort zu sichern: "Umso mehr verdienen sie jetzt eine verlässliche Zukunftsperspektive." Im Zuge dessen forderte Toscani die Einberufung der sogenannten Saargemeinschaftsinitiative.

Weckruf zum Strukturwandel

Die Grünen nannten die Entscheidung einen Weckruf, sich nicht auf einen allmählichen Strukturwandel verlassen zu dürfen so die beiden Vorsitzenden Sullenberger und Nonninger. Mit den für Ford vorgesehenen finanziellen Mittel habe Rehlinger jetzt kleine Ausreden mehr nicht zu gestalten.

Der AfD-Abgeordnete Carsten Becker, selbst lange Ford-Mitarbeiter, sagte, auch deshalb sei es Folter, was Ford mit den Mitarbeitenden mache.

Kritik im Saar-Landtag: Ford-Management "eiskalt"
Audio [SR 3, Janek Böffel (c) SR, 22.06.2022, Länge: 03:07 Min.]
Kritik im Saar-Landtag: Ford-Management "eiskalt"

Rehlinger wenig optimistisch

Ministerpräsidentin Rehlinger dämpfte zu große Erwartungen. Sie kündigte an, Ford in die Pflicht nehmen zu wollen. Egal, wie die Entscheidung heute ausgehe, die Verantwortung für die Beschäftigten im Saarland ende nicht heute und auch nicht 2025.

Man habe ein gutes Angebot gemacht, dass sich insgesamt in der Größenordnung näher an einer Milliarde Euro bewege als an 500 Millionen Euro.

Die Entscheidung für Valencia bedeutet, dass in Saarlouis 4600 Arbeitsplätze sowie fast 2000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferer-Unternehmen auf dem Spiel stehen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 22.06.2022 berichtet.

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