Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. (Foto: picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Hausärztemangel größer als bislang angenommen

Thomas Braun / mit Informationen von Nelly Theobald   22.10.2019 | 15:12 Uhr

Der Hausärztemangel im Saarland ist offenbar dramatischer als bisher angenommen. Durch neue Vorgaben zur Arztdichte hat sich die Zahl der freien Arztsitze mehr als verdoppelt.

83 unbesetzte Hausarztsitze gibt es nach der neuen Berechnung, zuvor waren es nur 40, teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saarland mit. Besonders gravierend ist die Situation demnach in der Region Wadern. "Durch diese Neuberechnung - einfach dadurch, dass die Verhältniszahl abgesenkt worden ist - sind wir jetzt in eine Unterversorgung gekommen", sagte der KV-Vorsitzende Joachim Meiser dem SR. Ähnliches drohe in Lebach: "Dort liegt der Versorgungsgrad jetzt knapp unter 80 Prozent."

Video [aktueller bericht, 22.10.2019, Länge: 2:56 Min.]
Viel weniger Hausärzte im Saarland

Meiser verwies darauf, dass dies zunächst einmal eine rechnerische Feststellung sei - in Gesprächen mit den Bürgermeistern und Ärzten vor Ort bekomme er die Rückmeldung, dass die Arztversorgung noch ganz gut funktioniere. Trotzdem muss die KV nun insbesondere in Wadern reagieren - und notfalls eine eigene Praxis eröffnen. "Das fällt uns leicht", sagte Meiser - löse aber das Problem nicht. "Dann den Arzt zu finden, der in der Praxis arbeiten soll, das fällt genauso schwer, wie jemanden anzureizen, sich dort niederzulassen."

Mehr ältere Menschen - höhere Bedarf an Ärzten

Hintergrund des verschärften Ärztemangels ist eine neue Bedarfsplanung, die der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken im Mai beschlossen hat. Damit sollte eine noch wohnortnähere medizinische Versorgung gewährleistet werden. "Man geht davon aus, dass wegen der steigenden Krankheitslast der Bevölkerung durch das Älterwerden einfach mehr Ärzte notwendig sind", erklärt KV-Vorstand Meiser die Anpassung.

Video [aktueller bericht, 22.10.2019, Länge: 3:17 Min.]
Kollegengespräch mit Nelly Theobald zum Hausärztemangel

Konkret: War ein Hausarzt früher für 1670 Personen zuständig, sind es jetzt nur noch 1609. Zusätzlich wird die Krankheitslast - also der Anteil älterer und kranker Menschen mit einbezogen. "Dort wo mehr Kranke sind, wird diese Zahl noch nach unten abgesenkt", so Meiser. In Wadern beispielsweise soll ein Hausarzt nur noch für 1438 Menschen zuständig sein.

Auch mehr Psychotherapeuten und Rheumatologen

Nicht nur im hausärztlichen Bereich ist der Bedarf nach der neuen Planung gestiegen. Künftig soll es unter anderem auch mehr Kassensitze für Rheumatologen und Psychotherapeuten geben.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht im SR Fernsehen vom 23.10.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja