Maximilian Klein, Harvard-Student aus Neunkirchen-Kohlhof (Foto: Maximilian Klein)

Maximilian Klein kämpft um sein Studium in den USA

Axel Wagner   15.07.2020 | 07:57 Uhr

Die Corona-Politik von US-Präsident Donald Trump sorgt weltweit für Stirnrunzeln und stellt das Leben vieler Amerikaner auf den Kopf. Nun trifft es auch ausländische Studierende in den USA. Einer von ihnen, Maximilian Klein aus Neunkirchen-Kohlhof, hat jetzt einen offenen Brief an die deutsche Politik initiiert, der von rund 100 Studenten unterzeichnet wurde.

"Trump macht die international Studierenden zum Spielball seiner Politik"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 14.07.2020, Länge: 02:27 Min.]
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In dem Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), die deutsche Botschafterin in den Vereinigten Staaten, Emily Haber, die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages und die kommissarische US-Botschafterin in Deutschland, Robin Quinville, fordern die Studenten Unterstützung vonseiten der Bundesregierung. Die US-Einwanderungsbehörde ICE, so die Studenten, habe am Montag vergangener Woche mitgeteilt, dass ausländische Studierende und Promovierende das Land verlassen oder an Unis mit Präsenzunterricht wechseln sollen, sollte ihre Hochschule im kommenden Herbstsemester ausschließlich Onlinekurse anbieten. Wer an einer Universität mit Onlinekursen studieren oder promovieren wolle, erhalte kein Visum.

Ein halbes Jahr Pause

Maximilian Klein ist bereits Mitte Mai wieder nach Deutschland zurückgekehrt, zum Ende des Frühjahrssemesters in den USA. Dort studiert er an der Harvard Kennedy School im zweijährigen Master-Fach Public Policy, ein Studium, das künftige Führungspersönlichkeiten zum Lösen gesellschaftlicher Probleme befähigen soll. Nächstes Jahr will er seinen Abschluss machen. Jetzt aber pausiert er erst einmal ein halbes Jahr.

Update [15.07.2020]

Die US-Regierung ist von ihren Plänen abgerückt, ausländische Studierende zur Ausreise zu zwingen, wenn ihre Kurse wegen der Corona-Pandemie ab Herbst nur noch über das Internet abgehalten werden. Die geplante Visa-Regelung wurde zurückgenommen.

„Die Harvard Kennedy School hat uns die Wahl gelassen, dass wir das Semester oder sogar ein ganzes Jahr pausieren dürfen“, so Klein im SR-Interview. In Berlin arbeitet der 27-jährige Saarländer für den Verein Athleten Deutschland, einer Art Gewerkschaft für deutsche Kaderathleten, die er mit aufgebaut hat.

Die Visa-Bestimmungen, sagt Klein, seien am Montag aktualisiert worden. „Damit wurde in letzter Konsequenz die Ausweisung angedroht.“ Bis Mittwoch müssen die US-Universitäten Pläne vorlegen, wie sie den Unterricht gestalten wollen. Wenn eine Uni sich dafür entscheidet, auf Onlinekurse umzustellen – wie es die Harvard Kennedy School angekündigt hat –, verlieren die dortigen ausländischen Studenten ihr Visum.

US-Unis zum Handeln gezwungen

Dahinter steht, so wie es Klein und die Mitunterzeichner des Briefes sehen, ein politischer Poker: US-Präsident Trump wolle – auch mit Blick auf den Wahlkampf für eine zweite Amtszeit – das Land um jeden Preis öffnen, auch die Universitäten. Diese sollen in jedem Fall wieder Präsenzunterricht anbieten. Er lässt ihnen damit weniger Flexibilität, ihre Lehre an das regionale Infektionsgeschehen anzupassen – also durch Präsenz- oder Online-Unterricht, oder eine Mischung aus beidem.

Es sei eine absurde Maßnahme, so Klein, die nicht zur Eindämmung der Pandemie beitragen könne. Selbst das Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention CDC, eine Unterbehörde des US-Gesundheitsministeriums, warnt in einem internen Bericht, dass eine Öffnung der Schulen und Hochschulen ein enormes Risiko hinsichtlich einer Ausbreitung des Infektionsgeschehens darstelle.

„Fremdenfeindliche Einwanderungspolitik“

Überraschend kommt dieses Vorgehen für Klein indes nicht. Auch in dem offenen Brief schreiben er und seine Mitunterzeichner von einer „verstärkt fremdenfeindlichen Einwanderungspolitik“, die die Studenten jetzt hart treffe. „Dass Menschen mit gültigem Visum vor Ort und unverschuldet die Ausweisung droht, ist per se ungerecht“, so der Neunkircher Harvard-Student. Die Studenten hätten für ihr Studium in den USA ein hohes Risiko auf sich genommen, viel Mühe und Arbeit investiert. Einige seien auch mit Partnern und Familie da und müssten jetzt ausreisen. „Wenn der Partner oder die Partnerin wegen des Jobs da bleiben muss, werden Paare auf unbestimmte Zeit zerrissen.“

Hinzu kommt, dass die Pflicht zur Ausreise auch für solche Studenten gilt, die aus Kriegs- und Krisengebieten kommen oder für die eine Einreise in ihr Heimatland wegen der Corona-Pandemie dort gar nicht möglich ist – von technischen Problemen wie fehlenden Internetzugängen oder der Zensur etwa von Suchmaschinen ganz zu schweigen.

Widerstand formiert sich

Bei den ausländischen Studenten habe die Ankündigung der US-Regierung Entsetzen ausgelöst, schildert Klein. „Es ist eine Mischung aus Verzweiflung und Schock. Aber natürlich sind sie auch insofern kämpferisch, dass man sich jetzt zusammenfindet, Möglichkeiten auslotet.“ Viele Studierende hätten sich bereits der Klagewelle mehrerer Universitäten gegen die Entscheidung der US-Regierung angeschlossen. Auch in der Bevölkerung habe sie eine sehr starke Protestwelle ausgelöst. Das Vorgehen reihe sich in die vielen Gräben ein, in denen derzeit in den USA gekämpft wird. „Trump spielt die Gruppen gegeneinander aus.“

Hinsichtlich der juristischen Auseinandersetzungen ist Klein allerdings optimistisch. Die Unterlagen, die die US-Einwanderungsbehörde ICE für die neue Visa-Regelung eingereicht habe, seien laut ersten Einschätzungen fachlich und formal fehlerhaft. Er sei guter Dinge, sagte Klein, dass die Universitäten vor Gericht gewinnen.

Die Reaktionen aus der Bundespolitik auf den offenen Brief, den die Nachrichtenagentur dpa auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat (PDF), sind bislang nur sehr vage. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte am Montag in Berlin, man spreche mit den USA über dieses Thema.

Drohender Visa-Entzug in USA
Pokern um ausländische Studierende
Deutsche Studierende in den USA haben Angst, dass sie ausreisen müssen. In einem Brief haben sie die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Die Bundesregierung äußert sich bislang aber sehr vage.

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