Tobias Hans - Pressekonferenz (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Hans will 2G im Saarland

mit Informationen von Carolin Dylla und Roswitha Böhm   15.11.2021 | 16:55 Uhr

Ministerpräsident Tobias Hans will wegen steigender Patientenzahlen die Corona-Maßnahmen im Saarland verschärfen. Im Innenbereich soll eine 2G-Regel eingeführt werden. Entscheiden muss das der Ministerrat.

Auch wenn die Krankenhäuser im Saarland nicht überlastet sind, ist die Hospitalisierungsrate, also die Zahl der wegen Corona ins Krankenhaus eingelieferten Patienten pro Einwohner, stark angestiegen. Aus Sicht von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sollte darum in Innenbereichen auf die 2G-Regel (Geimpfte und Genesene) umgestellt werden. Innenbereiche bedeutet zum Beispiel Gastronomie oder Kulturveranstaltungen – Näheres soll im Kabinett beraten werden.

Draußen soll sich aktuell nichts ändern, allerdings sind nach SR-Informationen 3G-Regeln mittelfristig auch nicht ausgeschlossen.

Vorschlag an Ministerrat

Ausnahmen soll es laut Hans für Kinder und Menschen geben, die sich nicht impfen lassen können. Einen entsprechenden Vorschlag will Hans dem saarländischen Ministerrat am Dienstag unterbreiten. Das Gremium muss über die Verschärfung entscheiden.

Fraktionen uneins bei künftigen Corona-Maßnahmen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 15.11.2021, Länge: 04:11 Min.]
Fraktionen uneins bei künftigen Corona-Maßnahmen

Der Regierungschef verwies zudem auf die Impfzentren in Neunkirchen und Saarlouis, die am 1. Dezember wiedereröffnet werden sollen. Dort könnten sich die Menschen nicht nur boostern lassen. Die Zentren stünden auch denjenigen offen, die bislang noch zögerten, sich impfen zu lassen.

Rehlinger ebenfalls für 2G

Zuvor hatte sich bereits die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) für 2G-Regeln ausgesprochen. SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon forderte in der Landespressekonferenz am Montag noch weitreichendere Maßnahmen. Er plädierte für eine 2G-Regelung nicht nur im Innen-, sondern auch im Außenbereich.

Hans will 2G im Saarland
Audio [SR 3, Florian Mayer, 15.11.2021, Länge: 03:17 Min.]
Hans will 2G im Saarland

Diese solle nicht nur für Gastronomie und Kulturveranstaltungen, sondern auch für den Sport gelten. Jugendliche unter zwölf Jahren und andere Personen, die sich nicht impfen lassen können, sollten laut Commerçon allerdings davon ausgenommen werden.

„Das sind harte Maßnahmen“, so Commerçon. „Aber es sind insbesondere harte Maßnahmen für diejenigen, die nicht bereit sind, sich impfen zu lassen.“ Auch die von der möglichen Ampel-Koalition im Bund geplante 3G-Regelung im ÖPNV unterstützt die saarländische SPD-Fraktion.

Commerçon sprach sich zudem für die auf Bundesebene diskutierte Homeoffice-Pflicht und eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz aus. Perspektivisch solle aus Sicht der SPD auch eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen eingeführt werden. „Wer in den Bereichen, in denen man mit vulnerablen Gruppen zu tun hat, nicht bereit ist, sich impfen zu lassen - da ist zu überlegen, ob das die richtigen Leute dafür sind“, so Commerçon.

Linke für 3G

Jochen Flackus, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken-Landtagsfraktion, fordert hingegen, nicht über 3G in Innenräumen hinauszugehen. Er beobachte zunehmend eine „Art Kriminalisierung der Ungeimpften“. Da man jetzt wisse, dass die Wirkung der Impfstoffe nachlasse, müsse stattdessen die Teststrategie wieder nach vorne gestellt werden. Dabei sollten, so Flackus, Geimpfte und Genesene genauso getestet werden wie Ungeimpfte.

Auch die neu gegründete Fraktion Saar-Linke spricht sich dafür aus, 3G statt 2G beizubehalten. „Man muss die Leute überzeugen, statt sie in Zwänge zu bringen“, so Fraktionschefin Barbara Spaniol. Sie befürwortet es allerdings, die Arbeit im Homeoffice wieder auszubauen und eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz einzuführen. Ihre Fraktion sei aber gegen eine 3G-Regelung im ÖPNV, da es vor allem für ältere Menschen schwierig sei, sich testen zu lassen, wenn sie nicht mobil seien.

AfD gegen Verschärfung

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Josef Dörr, sprach sich allgemein gegen eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen aus. Es brauche nicht noch mehr gesetzliche Regelungen, da sich die Bürgerinnen und Bürger gegenseitig auf das Einhalten, beispielsweise der Maskenpflicht, hinweisen würden, so Dörr. Zudem sehe er, was die Zahl der verfügbaren Intensivbetten angehe, im Saarland zurzeit keine Probleme.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.11.2021 berichtet.


15.11.2021, 15:44 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, dass für den Außenbereich 3G-Regeln beschlossen werden sollen. Diese Formulierung haben wir nun präzisiert. Richtig ist, dass 3G aktuell noch nicht angedacht, aber mittelfristig nicht ausgeschlossen ist.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja