Hans’ Abschied aus der ersten Reihe (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

Hans’ Abschied aus dem Rampenlicht

Christian Leistenschneider   28.05.2022 | 17:17 Uhr

Mit der Abgabe des CDU-Landesvorsitzes tritt Saarlands Ex-Ministerpräsident Tobias Hans in die zweite Reihe der Politik zurück. Der einst jüngste Landeschef ist fortan nur noch einfacher Abgeordneter. Spekulationen über Karriere-Pläne gibt es, doch Hans äußert sich dazu nicht.

Eine politische Karriere ermöglicht steile Aufs und Abs. So kann es passieren, dass einer mit gerade einmal 40 Jahren bereits den Spitzenposten in seinem Bundesland und seiner Partei innehat, um dann mit nur 44 Jahren schon wieder ganz ohne Amt dazustehen.

Das ist das Schicksal des abgewählten saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans, der mit dem Landesvorsitz der CDU auch seine letzte nach der Landtagswahl noch verbliebene Spitzenfunktion abgibt.

Arbeit in zwei Ausschüssen

Nach seinem Abtritt vom Parteivorsitz tritt Hans in die zweite Reihe der saarländischen Politik zurück, ist nur noch Hinterbänkler im neuen Landtag. Dort arbeitet er in zwei Ausschüssen: im Ausschuss für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar- und Verbraucherschutz sowie im Ausschuss für Wirtschaft, Innovation, Digitales, Energie und Grubensicherheit. In beiden ist er jeweils einfaches Mitglied ohne besondere Funktion.

Insbesondere die Digitalisierung war für Hans in seiner Zeit als Ministerpräsident ein wichtiges Thema. In der Ausschussarbeit könnte er sich auf dem Feld weiter profilieren. Allerdings wird sich ihm dort kaum die Gelegenheit zu repräsentativen Fototerminen geben. Stattdessen wird eher inhaltliche Kärrnerarbeit gefragt sein.

Gerüchte über Bundestagspläne

Andere Mitglieder aus der abgewählten Regierungsriege der CDU haben sich bereits umorientiert. Ex-Finanzminister Peter Strobel hat sein Interesse am gut dotierten Geschäftsführer-Posten von Saartoto bekundet, Fraktionschef Alexander Funk könnte Geschäftsführer der Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken werden.

Von Tobias Hans sind offiziell keine derartigen Ambitionen bekannt. In der Saar-CDU gibt es neben Spekulationen über mögliche Beratertätigkeiten aber das Gerücht, Hans wolle 2025 für den Bundestag kandidieren. Der hat sich zu seinen Plänen nicht geäußert.

Schwierige Situation für Hans

In der Bundes-CDU galt Hans, der auch in den wichtigen Talkshows des Landes ein gern gesehener Gast war, neben Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und später Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen als Hoffnungsträger für eine Verjüngung und Modernisierung der Partei.

Die allerdings haben ihre Landtagswahlen überzeugend gewonnen, während sich der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz ob der schlechten Ergebnisse des Saarländers bei Umfragen und später bei der Wahl frühzeitig von Hans abwandte.

Berufspolitiker seit jungen Jahren

So stellt sich die Situation für den Ex-Ministerpräsidenten durchaus schwierig da. Tobias Hans ist durch und durch Berufspolitiker, hat schon in jungen Jahren wichtige Ämter und Funktion eingenommen, sein Studium der Informationswissenschaft dafür nicht beendet.

Er hat es bis an die Spitze des Bundeslandes gebracht, aber die einzige Wahl, zu der er als Spitzenkandidat angetreten ist, verloren. Er hat besonders zu Beginn seiner Amtszeit viele in der Partei und in der Öffentlichkeit mit seiner souveränen Kommunikation beeindruckt, musste am Ende allerdings auch öffentlich das Scheitern seiner Partei auf sich nehmen.

Comeback ins Rampenlich ungewiss

Ob unter diesen Voraussetzungen ein Comeback im Rampenlicht für Hans möglich ist, ist ungewiss. Seine Karriere bewegt sich nach einem spektakulären Höhepunkt jedenfalls erst einmal wieder in bodenständigeren Bereichen.

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