Uni-Klinik Homburg (Foto: SR)

Uniklinik stellt Gutachten zu Missbrauchsvorwürfen vor

  02.12.2019 | 16:38 Uhr

Im mutmaßlichen Missbrauchsskandal hat die Uniklinik Homburg am Montag erste Ergebnisse ihrer eigenen Ermittlungen vorgelegt. Aus den Akten hätten sich demnach vereinzelt Auffälligkeiten ergeben - überwiegend habe das Vorgehen des Arztes aber den damaligen Vorschriften entsprochen.

Die Bilanz der von der Uniklinik beauftragten externen Gutachterin Prof. Renate Schepker nach der Sichtung von 34 Patientenakten aus den Jahren 2010 bis 2014: 13 Prozent der Untersuchungen durch den beschuldigten Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie seien bei einem "sehr strengen Begutachtungsmaßstab" medizinisch nicht begründet gewesen, so die Uniklinik in einer Pressemitteilung. Dazu zählten zum Beispiel mehrfache Untersuchungen der Genitalien und Ultraschalluntersuchungen des Bauches. Bei sechs Kindern sei es gehäuft zu nicht begründeten Untersuchungen gekommen.

Video [aktueller bericht, 02.12.2019, Länge: 5:27 Min.]
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Verstoß gegen private Arzt-Patienten-Kontakte

Häufig habe der Arzt Vorhautverklebungen gelöst. Bei einigen Patienten sei eine sofortige Behandlung wegen einer akuten Entzündung auch notwendig gewesen - bei sieben Patienten sei das allerdings nicht der Fall gewesen.

Kritisch sieht die Gutachterin, dass der Assistenzarzt zwei Kinder für seinen Judoverein geworben habe. Das verstoße gegen das Verbot von privaten Arzt-Patienten-Kontakten in der Psychotherapie.

Vorgehen entsprach "überwiegend den damaligen Vorschriften"

Trotz der Auffälligkeiten sei die Gutachterin allerdings zu dem Schluss gekommen, "dass das Vorgehen des Arztes ganz überwiegend den damaligen Vorschriften entsprechend war", schreibt die Uniklinik in ihrer Mitteilung. "Nach Überzeugung der Gutachterin waren nach Aktenlage keine sexuellen Übergriffe in der Ambulanz feststellbar, die über die Durchführung medizinisch nicht indizierter Untersuchungen bzw. Behandlungen hinausgingen", heißt es weiter.

Die Gutachterin Renate Schepker ist Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ravensburg und Vorstandsmitglied der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Für ihr Gutachten hat sie die aus den Akten hervorgehenden Untersuchungen und Behandlungsschritte des Arztes mit den damaligen und aktuellen Leitlinien abgeglichen. Zu dem Vorgehen des Arztes bei den einzelnen Untersuchungen lieferten die Akten laut Uniklinik naturgemäß keine Aufschlüsse.

Auch ein externer Sonderermittler mit Fall betraut

Mit den Missbrauchsvorwürfen befasst sich derzeit auch ein externer Sonderermittler der Polizei im Auftrag der Staatskanzlei. Der inzwischen verstorbene Assistenzarzt soll durch Scheinuntersuchungen Kinder in der Ambulanz sexuell missbraucht haben.

Über dieses Thema berichtet auch der aktuelle bericht vom 02.12.2019 im SR Fernsehen.

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