Bergwerk Anlage Nordschacht in Lebach (Foto: dpa)

Neues Gutachten zu Folgen des Grubenwasseranstiegs

Thomas Braun   16.10.2017 | 19:15 Uhr

Der Grubenwasseranstieg wird im Saarland voraussichtlich zu kleineren Erschütterungen und auch Hebungen von mehreren Zentimetern führen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das am Montag begleitend zum RAG-Antrag zur Grubenwasserhaltung veröffentlicht wurde. Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung sieht das Gutachten nicht, empfiehlt aber eine genaue Überwachung im Scheidtertal.

Derzeit werden im Saarland jährlich über 17 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Gruben abgepumpt. Der Bergbaukonzern RAG will die Pumpen zum Teil abstellen und das Grubenwasser in einem ersten Schritt auf -320 Meter ansteigen lassen. Der entsprechende Antrag beim Oberbergamt ist seit Montag öffentlich und kann im Internet und den betroffenen Gemeinden einen Monat lang eingesehen werden.

"Keine nachteilige Beeinflussung" der Trinkwasserversorgung

30 Gemeinden und damit rund 600.000 Menschen im Saarland werden von dem Grubenwasseranstieg betroffen sein. Es handelt sich um eines der größten Genehmigungsverfahren, die es je im Saarland gab. Begleitend zu dem Antrag hat das Oberbergamt am Montag ein Gutachten veröffentlicht, das speziell die Auswirkungen des Grubenwasseranstiegs auf das Grundwasser untersuchen sollte, aber auch andere mögliche Folgen beleuchtet.

Der beauftragte Gutachter, Professor Jürgen Wagner von der Grundwasser- und Geoforschung GmbH in Neunkirchen, sieht keine Gefahren für die Trinkwasserversorgung im Saarland. "Stoffliche Veränderungen in den wasserwirtschaftlich genutzten Gebieten wird es in dieser Grubenwasseranstiegs-Phase nicht geben", heißt es in dem Gutachten. Für die Trinkwasserversorgung sei "keine erkennbare nachteilige Beeinflussung" zu erwarten.

Aufwändigere Überwachung im Scheidtertal empfohlen

Komplette Entwarnung gibt Wagner in seinem Gutachten allerdings noch nicht. So empfiehlt er insbesondere im Scheidtertal eine genauere Überwachung einzurichten, um die "bisher ebenfalls als gering eingeschätzte Beurteilung der Beeinträchtigung" abzusichern. Im Scheidtertal gibt es Auffälligkeiten im Gestein, die durchaus Einfluss haben könnten, bislang aber zu wenig untersucht sind.

Ganz sicher ist sich Wagner in seinem Gutachten, dass der Wasseranstieg zu Erderschütterungen führen wird. Sie werden "definitiv eintreten" und "im Bereich des Bergwerks Saar wohl am stärksten" sein. Allerdings sei die Intensität dieser Beben "mit höchster Wahrscheinlichkeit weit unter der früherer Erschütterungsereignisse". Wagner sieht sogar einen Vorteil darin. Erschütterungen seien auch ohne Grubenwasseranstieg zu erwarten - zwar seltener, dafür aber heftiger. Zudem seien sie zeitlich nicht planbar. Sollte der RAG-Plan umgesetzt werden, würden sich die Erschütterungen aber auf die Anfangsphase des Wasseranstiegs konzentrieren.

Schäden durch Bodenhebungen möglich

Eine Befürchtung, die im Zusammenhang mit dem Grubenwasseranstieg auch immer wieder geäußert wurde, war, dass es zu Hebungen an der Erdoberfläche kommen wird. Damit rechnet auch Wagner in seinem Gutachten. Er geht von drei bis elf Zentimetern aus - verweist aber auch auf zusätzliche, nicht eingerechnete Hebungsursachen. So könnte auch der Wasserauftrieb eine bedeutende Rolle spielen. Auch mögliche Schäden an der Oberfläche will er nicht ausschließen.

Die gesamten Antragsunterlagen inklusive des mehrere Hundert Seiten umfassenden Gutachtens sind online einsehbar. Hier geht es direkt zur Kurz-Zusammenfassung des Gutachtens.

Ausführlichere Informationen zu dem Thema gibt es auch am Dienstag, 17. Oktober, im aktuellen bericht.

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