Gusswerke in Saarbrücken (Foto: imago images/Becker&Bredel)

Gusswerke-Betrieb bis Ende März gesichert

Onlinefassung: Thomas Braun / mit Informationen von Karin Mayer und Mirko Tomic   08.01.2020 | 20:26 Uhr

Die Gusswerke Saarbrücken können ihren Betrieb bis Ende März fortsetzen. Das hat die Gläubigerversammlung am Insolvenzgericht Sulzbach entschieden. Das verschafft dem Unternehmen Zeit, an einem Zukunftskonzept zu arbeiten.

Es war eine lange und zähe Versammlung. Bis zuletzt war offen, ob es gelingt, die Zustimmung der Gläubiger zu erhalten. Der Großkunde General Motors hatte die sofortige Stilllegung der Gießerei verlangt. Weil Insolvenzverwalter Franz Abel in der Gläubigerversammlung aber Schadensansprüche gegen General Motors geltend machte, wurde der Großkunde am Ende überstimmt.

Video [aktueller bericht, 08.01.2020, Länge: 3:30 Min.]
Gusswerke-Gläubiger geben vorerst grünes Licht für Weiterbetrieb

Land will sich einbringen

Abel sagte dem SR, nun bestehe die Chance, in den nächsten drei Monaten mit dem Investor Ferraro ein Konzept für den Weiterbetrieb zu erarbeiten. Zudem sieht er für Gespräche mit potenziellen Kunden eine andere Basis, nachdem das Land bekräftigt hat, bei einem tragfähigen Weiterführungskonzept Vermögenswerte der Gusswerke wie Immobilien und Maschinen zu erwerben und sich so einzubringen. Damit komme eine "erhebliche Stabilität" in die Sache, so Abel.

Es war immer ein Managementproblem, das am Ende dazu geführt hat, dass Kunden nachhaltig verärgert wurden. (Jürgen Barke, SPD-Wirtschaftsstaatssekretär)

Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) zeigte sich nach der Entscheidung am Gericht erleichtert. Er sei zuversichtlich, dass es noch gelingen könne, bis Ende März ein überzeugendes Übernahmekonzept auf die Beine zu stellen - auch wenn der Zeitraum sehr kurz sei. Die Gusswerke seien eine moderne Gießerei mit hoher technischer Kompetenz, einem guten Maschinenpark und hochwertigen Produkten. Die Qualität sei nie das Problem gewesen. "Es war immer ein Managementproblem, das am Ende dazu geführt hat, dass Kunden nachhaltig verärgert wurden", sagte Barke im aktuellen bericht.

Video [aktueller bericht, 08.01.2020, Länge: 3:57 Min.]
Interview mit Jürgen Barke über die Lage der Gusswerke

Gusswerke können bis März weitermachen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 08.01.2020, Länge: 04:28 Min.]
Gusswerke können bis März weitermachen

Bei aller Zuversicht bremste der Staatssekretär aber auch allzu hohe Erwartungen, dass mit dem heutigen Tag bereits eine Rettung des Unternehmens eingeleitet sei. "Wir haben heute einen ersten Schritt erreicht", so Barke. Gerade in der jüngeren Vergangenheit hätten sich aber viele Kunden vom Standort wegbewegt. Die müssten nun zurück- und neue hinzugewonnen werden. Dafür müsse in den kommenden Wochen viel Schweiß und Überzeugungskraft investiert werden.

Allen Mitarbeitern vorsorglich gekündigt

Kurz vor Weihnachten hatte Insolvenzverwalter Abel alle Beschäftigten darüber informiert, dass ihnen spätestens zum 31. März gekündigt werde. Ursprünglich war geplant, den Betrieb mit rund 400 Mitarbeitern fortzusetzen. Bislang lag aber noch kein schlüssiges Konzept für einen Fortbestand vor.

Die Saarbrücker Motorblock-Gießerei war schon seit längerer Zeit in Schieflage geraten. Im September hatte das Unternehmen Insolvenzantrag gestellt. Ende November waren schon rund 600 der insgesamt 1000 Mitarbeiter freigestellt worden.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.01.2020.

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