Migranten stehen am Grenzzaun zu Griechenland (Foto: picture alliance/Darko Bandic/AP/dpa)

Deutschland zur Aufnahme schutzbedürftiger Kinder bereit

mit Informationen von Carolin Dylla   09.03.2020 | 17:59 Uhr

Angesichts der Not der Flüchtlinge in Griechenland ist Deutschland bereit, 1000 bis 1500 besonders schutzbedürftige Kinder aufzunehmen. Darauf einigten sich die Spitzen der Koalition am Sonntagabend.

Griechenland soll bei der "schwierigen humanitären Lage von etwa 1000 bis 1500 Kindern auf den griechischen Inseln" unterstützt werden. Es handelt sich laut dem Koalitionsbeschluss um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre seien.

Europäische Lösung gefragt

Der saarländische Grünen-Landeschef und Bundestagsabgeordnete Markus Tressel hatte bereits vor dem Beschluss die Landesregierung zu einem Sonderaufnahmeprogramm aufgefordert. "Für das Saarland wäre es kein Problem, zumindest etwa 100 Kindern sofortigen Schutz zu gewähren", so Tressel. Seine Fraktion scheiterte vergangene Woche im Bundestag mit dem Vorstoß, sofort 5000 besonders schutzbedürftige Menschen aufzunehmen.

Die Bilder von der griechisch-türkischen Grenze seien für alle bedrückend, so der CDU-Abgeordnete Hermann-Josef Scharf. Aber: Europa müsse dieses Problem gemeinsam lösen. Auch der SPD-Abgeordnete Magnus Jung nannte die Bilder "bestürzend", die Entscheidung zur Aufnahme sei richtig. Deutschland und auch das Saarland würden ihren Anteil bei der Aufnahme der 1000 bis 1500 Kinder leisten. Eine dauerhafte Lösung sei das aber nicht, so Jung weiter – es brauche europäische Lösungen.

Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine dagegen sagte, die Forderung nach einer europäischen Lösung dürfe nicht zum Alibi werden. Er kritisierte den generellen Ansatz der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik und forderte mehr direkte Hilfe vor Ort. AfD-Fraktionschef Josef Dörr sprach in Zusammenhang mit den Bildern leidender Kinder von so wörtlich "Stimmungsmache". Er forderte erst konsequent die Grenzen zu schließen, bevor über die humanitäre Aufnahme von zum Beispiel Kindern diskutiert werden könne.

Erdogan hatte Grenzen für geöffnet erklärt

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte vergangene Woche nach der Eskalation der Lage in der nordsyrischen Provinz Idlib die Grenzen zur EU für geöffnet erklärt. Dies sorgte für einen starken Flüchtlingsandrang an der türkisch-griechischen Grenze.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 09.03.2020 berichtet.

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