Anhörung im Ausschuss für Grubensicherheit (Foto: SR)

Grubenwasser als alternative Energie?

Mirko Tomic / Onlinefassung: Kai Forst   09.03.2022 | 18:50 Uhr

Könnte Grubenwasser künftig eine alternative Energiequelle sein? Ein Nebensatz eines Interviews der früheren saarländischen Umweltministerin Simone Peter hat für Diskussionen gesorgt. Doch bis dahin ist es noch ein unsicherer Weg.

Kann Grubenwasser für Wärme in den saarländischen Wohnungen sorgen und als mögliche Alternative dienen, um aus dem Energieengpass herauszukommen? In einem Interview äußerte die frühere saarländische Umweltministerin und derzeitige Präsidentin des Verbands Erneuerbarer Energien, Simone Peter, den Gedanken: Im Saarland könnte Wärme auch aus 36 Grad heißem Grubenwasser gewonnen werden. Dieses könnte dann über Großwärmepumpen transportiert werden.

Peter: "Wir sind total abhängig von russischen Energieimporten".
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 09.03.2022, Länge: 03:10 Min.]
Peter: "Wir sind total abhängig von russischen Energieimporten".

"Nein, sicher nicht"

Professor Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) sieht das allerdings skeptisch. "Nein, sicher nicht", sagte Leprich auf die Frage, ob Grubenwasser als Alternative tauglich ist. Die Mengen, die wir an Gas, Öl, Kohle aus Russland erhielten, seien für Industrie und Haushalte dadurch nicht einmal annähernd zu ersetzen.

Grubenwasser könne zwar bei der Fernwärmeerzeugung eingesetzt werden, spare dann auch CO2 ein und sei betriebswirtschaftlich bei immer höher steigenden Energiepreisen sinnvoll, sagte Leprich. Das betreffe aber nur einen kleinen Bereich der Energieerzeugung.

Noch nicht im Saarland eingesetzt

Anders als etwa im Ruhrgebiet wird Grubenwasser im Saarland zur Energiegewinnung derzeit noch nicht eingesetzt. Vor über einem Jahr hatte der Energieversorger Steag zwar angekündigt, ein vom Bund finanziertes Projekt auf der ehemaligen Grube Camphausen in Betrieb zu nehmen. Bislang scheiterte aber die Umsetzung an schwierigen Rahmenbedingungen.

FAQ Grubenwasser als alternative Energie

Grubenwasser als mögliche Alternative, um aus dem Energieengpass heraus zu kommen?

Nein. Die Mengen, die wir an Gas, Öl, Kohle aus Russland erhalten sind für Industrie und Haushalte dadurch nicht einmal annähernd zu ersetzen.

Grubenwasser kann über Wärmetauschersysteme bei der Fernwärmeerzeugung eingesetzt werden, spart dann auch CO2 ein und ist betriebswirtschaftlich bei immer höher steigenden Energiepreisen sinnvoll. Aber das betrifft nur einen kleinen Bereich der Energieerzeugung.

Wo wird Grubenwasser im Saarland eingesetzt, um Energie zu gewinnen?

Bisher noch nirgendwo. Bei einem Projekt des Energieversorgers Steag für die Sulzbacher Stadtwerke, wo nach SR-Informationen seit Januar 2021 ein vom Bund finanziell gefördertes entsprechendes Nutzungsprojekt auf der ehemaligen Grube Camphausen mit Grubenwasser angekündigt wurde aber bis heute nicht umgesetzt ist, sieht man, wie schwierig und langwierig solche Neuerungen sein können.

Seit über einem Jahr verhandelt Steag mit der RAG über die Rahmenbedingungen des Projekts. Einmal umgesetzt, soll das 36 Grad heiße Grubenwasser über einen Wärmetauscher helfen, Energie zu erzeugen, um so das bisher im Blockheizkraftwerk eingesetzte Grubengas teilweise zu ersetzen. Damit würde man auch CO2 einsparen.

Es gibt im Ruhrgebiet entsprechende lokale Projekte, die aber nur über finanzielle Förderung von Bund und EU möglich gemacht wurden.

An welchen Orten wird Grubenwasser denn gefördert im Saarland?

Die Hauptmenge findet sich – je nach Niederschlagsmenge – sicher am ehemaligen Bergwerk in Reden. Dort sind es 12 bis 15 Mio. Kubikmeter pro Jahr, die hochgepumpt werden. Das Wasser ist 36 Grad heiß, daher gibt es ja auch die Wassergärten, die nichts anderes sind als Abkühlbecken für das Grubenwasser, bevor es dann in saarländische Bäche und Flüsse eingeleitet wird.

Um die Geothermie dort zu nutzen, müssten entsprechend technische Voraussetzungen geschaffen und Rohrleitungssysteme für den Energietransport gebaut werden. Das kostet Zeit und Geld, und man verliert beim Transport durch solche Rohrsysteme viel Wärme.

Was täte denn not, um Energiesicherheit zu erhalten?

Es müsste den Kommunen endlich vorgeschrieben werden, sich um den Aufbau von Wärmenetzen zu kümmern – das wird seit 30 Jahren diskutiert.

Nur Kommunen und Stadtwerke können dafür sorgen, dass die Energiesicherheit gewährleistet ist. Dazu müssten jeweils die Gebiete begutachtet, bewertet und ausgewiesen werden, wo bestimmte Versorgungsmaßnahmen sinnvoll erscheinen.

Es kann zum Beispiel für einen Straßenzug oder einen Stadtteil sinnvoll sein, etwa ein Blockheizkraftwerk einzusetzen, um Wärme und Strom zu erzeugen, anstatt das das jeder für sich in seinem Keller tut. Oder das für Einzelhäuser Wärmepumpen vorgeschrieben werden.

Da fehlt bisher der politische Wille, das bundesweit verpflichtend vorzuschreiben.

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