Eine Mitarbeiterin testet Laborproben. (Foto: Marijan Murat/dpa)

Grand Est zum Corona-Risikogebiet erklärt

Mit Informationen von Lisa Huth und Thomas Gerber   12.03.2020 | 13:09 Uhr

Das Robert-Koch-Institut hat die französische Region Grand Est am Mittwochmorgen zum Risikogebiet für Coronainfektionen erklärt. Das hat auch Auswirkungen auf das Saarland. So dürfen in der Gemeinde Wadgassen ab sofort Kinder aus Grand Est nicht mehr die Kitas und Schulen besuchen.

Die gesamte Region Grand Est mit Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne gilt neben Italien, dem Iran und einzelnen Provinzen in Südkorea und China nun offiziell als Covid-19-Risikogebiet. Damit bezeichnet das RKI Regionen, in denen "eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann".

Über 500 Infizierte in Grand Est

Video [aktueller bericht, 11.03.2020, Länge: 2:48 Min.]
Grand Est wird zum Risikogebiet erklärt

Nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörde ARS gab bis Mittwochnachmittag 587 Personen bestätigte Infektionsfälle in Grand Est, noch einmal ein Viertel mehr als einen Tag zuvor.

Anlass für die Einschätzung des Robert-Koch-Institutes ist vermutlich die Versammlung einer Freikirche bei Mulhouse. Dort hatten sich mehrere Tausend Menschen getroffen. Der Raum um Mulhouse gilt in Frankreich als einer der wichtigsten Infektionsherde in Frankreich. Rund 100 Schulen und Kitas um Mulhouse herum sind mittlerweile geschlossen. Veranstaltungen in Räumen mit mehr als 50 Personen sind untersagt. Die großen Konzertsäle im Elsass und in Lothringen haben die meisten Veranstaltungen abgesagt oder verlegt.

Was bedeutet das für Grenzpendler?

Die neue Lageeinschätzung des RKI hat zunächst vor allem Auswirkungen auf die Personen im Saarland, die bereits Krankheitssymptome zeigen. "Alle diejenigen Einpendler, die in den Betrieben arbeiten oder in den Schulen sind und Symptome aufweisen, sind nach der Definition des RKI jetzt anders zu behandeln", sagte der saarländische Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU). Die Betriebsärzte müssten jetzt veranlassen, dass eine Testung erfolgt. So seien etwa die Betriebsärzte bei ZF angehalten, bei Grenzgängern mit Erkältungssymptomen einen Abstrich zu machen und auf Corona testen zu lassen.

Er rief Betriebe, die Grenzgänger aus dem benachbarten Frankreich beschäftigen, auf, ihre Pandemie-Pläne zu aktualisieren. Nachdem die Region Grand Est zum Risikogebiet erklärt worden sei, müssten die Vorsichtsmaßnahmen erhöht werden. Über das weitere Vorgehen stimme sich das Saarland auch mit anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg ab. Ansonsten gehe das Leben normal weiter. "Die Pendler können zur Arbeit gehen. Aber in den Betrieben werden natürlich die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen angepasst", so Kolling weiter. Eine Grenzsperrung gebe es nicht, auch Grenzkontrollen seien derzeit kein Thema.

Kein Schulbesuch für Grenzgänger

Ministerien untersagen Schul- und Kitabesuche
Kein Unterricht für Grenzgänger

Das Bildungsministerium hat am Donnerstag mitgeteilt, dass Lehrer, Kinder und Beschäftigte, die im Risikogebiet wohnen, derzeit nicht zur Schule oder Kita gegen dürfen. Das gilt auch für Personen, die sich in einem RKI-Risikogebiet aufgehalten haben. Gesundheitsministerin Monika Bachmann hatte am Mittwochmorgen im Rahmen ihrer Regierungserklärung im Landtag verkündet, dass das Bildungsministerium eine Regelung für Schüler aus der Nachbarregion erarbeiten werde.

Gemeinde Wadgassen schließt Kinder von Kitas und Schulen aus

Die Gemeinde Wadgassen erklärte als erste Gemeinde, dass ab sofort Kinder aus Grand Est nicht mehr die Kindertagesstätten oder Schulen der Gemeinde besuchen dürfen. Gleiches gelte auch für die Kurse der gemeindeeigenen Musikschule und des Bäderbetriebs. Dies solle eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus eindämmen.

Hans schreibt Brandbrief an Seehofer

Ministerpräsident Tobias Hans hat wegen der Einstufung der Nachbarregion Grand Est als Corona-Risikogebiet einen Brief an Bundesinnenminister Seehofer geschrieben. Darin bittet Hans den Innenminister, auf seine französischen Kollegen einzuwirken, alles zu tun, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu bekämpfen.

Gesundheitsstaatssekretär Kolling appellierte zudem noch einmal an die Eigenverantwortung der Bürger, um die Verbreitung des Virus so gut wie möglich einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen. "Ich persönlich würde nicht in Risikogebiete einreisen - auch nicht für Einkäufe. Ich würde auch keine Großveranstaltungen aufsuchen", sagte Kolling. Die Landesregierung hat am Mittwoch verfügt, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen im Saarland vorerst abgesagt werden müssen.

Gesundheitsbehörde Grand Est kritisiert Einstufung

Der Direktor der regionalen Gesundheitsagentur des Grand-Est, Christophe Lannelongue, hat die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts kritisiert, die ganze Region als Risikogebiet einzustufen. Die Maßnahmen erschienen ihm als „nicht ganz im Einklang mit der Realität“, sagte Lannelongue. So gebe es fünf Departements, darunter die Champagne oder die Haute-Marne, die praktisch überhaupt nicht betroffen seien.


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