Google beherrscht noch immer den Markt der Suchmaschinen (Foto: dpa / picture alliance / Lukas Schulze)

Personalisierung bei Google-Suchen geringer als befürchtet

  25.07.2018 | 15:06 Uhr

Eine Analyse von Google-Suchergebnissen zu Parteien und Politikern vor der Bundestagswahl kommt zu dem Schluss, dass die Personalisierung von Suchergebnissen geringer ist als ursprünglich angenommen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Abschlussbericht des Forschungsprojekts „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ hervor.

Das Projekt habe gezeigt, dass es mittels Datenanalyse möglich ist festzustellen, ob Algorithmen die politische Kommunikation verzerren oder nicht, sagte der Direktor der saarländischen Landesmedienanstalt, Uwe Conradt. Die Forscher hatten den Angaben zufolge die Google-Suchergebnisse von mehr als 1.500 freiwilligen Datenspendern in den fünf Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September 2017 analysiert. Alle vier Stunden suchten sie automatisiert nach 16 vordefinierten Namen von Parteien und Politikern. Dabei kam dem Bericht zufolge ein bereinigter Datenbestand von über acht Millionen Datensätzen zusammen.

Hohe Ähnlichkeit bei Ergebnissen

Die Suchergebnisse der jeweiligen Nutzer zu prominenten Politikern wiesen sehr hohe Ähnlichkeit auf und unterschieden sich nur in einem bis zwei Ergebnissen, hieß es weiter. Zwar seien die Suchergebnisse nach Parteien mit drei bis vier Unterschieden höher, jedoch erkläre sich das mit der Regionalisierung. Daher betrage der Unterschied letztendlich auch nur ein bis zwei Ergebnisse.

„Es gibt in den Suchergebnissen insgesamt wenig Raum für Personalisierung“, heißt es in der Untersuchung. Zwar fänden sich immer wieder kleine Gruppen von Personen mit abweichenden Suchergebnislisten. Jedoch hänge dies am wahrscheinlichsten mit der eingestellten Sprache für Suchergebnisse zusammen. Neben der Spracheinstellung beeinflussten auch der Standort und die Relevanz der Internetseiten die Suchergebnisse.

Studie lediglich „Momentaufnahme“

Der Präsident der bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, warnte davor, die Ergebnisse als generelle Entwarnung für personalisierte Suchergebnisse zu sehen. "Die Studie war eine Momentaufnahme", erklärte er. "Morgen können die Ergebnisse schon anders aussehen". Vielmehr müssten nun auch noch andere Plattformen wie Facebook ähnlich überprüft werden, um den Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung von Usern festzustellen.

TU-Informatikprofessorin leitete Projekt

Das Projekt wurde im Auftrag der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und fünf weiterer Landesmedienanstalten unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) durchgeführt. Die Projektleitung lag bei der Informatikprofessorin Katharina Zweig von der Technischen Universität Kaiserslautern. Die Datenanalyse erfolgte in Kooperation mit der gemeinnützigen Initiative für die Kontrolle algorithmischer Entscheidungsfindung „AlgorithmWatch“.

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