Leerrohre für Glasfaserleitungen (Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Land will in Glasfaser investieren

Anne Staut   24.07.2020 | 16:34 Uhr

Die Landesregierung will die Glasfasernetze im Saarland weiter ausbauen. Dafür sind im Nachtragshaushalt, der Anfang Juni beschlossen wurde, 100 Millionen Euro vorgesehen. Derzeit gibt es in 31 saarländischen Ortsteilen direkte Anschlüsse ans Glasfasernetz.

Bislang verfügen nur 2,6 Prozent der Haushalte im Saarland über einen direkten Glasfaseranschluss, also einen sogenannten FTTH- oder auch FTTB-Anschluss. Dabei gibt es nach Angaben der saarländischen Staatskanzlei in allen saarländischen Landkreisen und dem Regionalverband inzwischen Ortsteile, die über einen direkten Glasfaseranschluss verfügen. Hierbei zeigen sich jedoch deutliche regionale Unterschiede.

Anschlüsse in 31 Ortsteilen

So existieren im Regionalverband Saarbrücken mit Altenwald, Bübingen, Dorf im Warndt, Emmersweiler, Großrosseln, Heusweiler, Hühnerfeld, Kutzhof, Naßweiler, Neuweiler, Sitterswald und Sulzbach etwa in zwölf Ortsteilen FTTH/FTTB-Anschlüsse.

Im Landkreis Saarlouis gilt das für elf Ortsteile (Beaumarais, Dillingen, Fraulautern, Lisdorf, Neuforweiler, Pachten, Picard, Roden, Saarlouis, Saarwellingen, Wallerfangen).

Entscheidung der Bürger wichtig

Im Landkreis Merzig-Wadern sind vier Ortsteile mit FTTH/FTTB-Anschlüssen ausgestattet (Büschdorf, Eft-Hellendorf, Tünsdorf, Wochern). Auch in Bliesmengen-Bolchen und Ormesheim im Saarpfalz-Kreis, in St. Wendel und in Steinbach im Landkreis Neunkirchen gibt es direkte Anschlüsse.

Die Staatskanzlei verweist darauf, dass auch in Perl, Sehndorf, Oberperl und der Stadt Friedrichsthal der Glasfaserausbau zeitnah starten könne. Das hänge jedoch davon ab, ob sich genügend Bürger für einen Glasfaseranschluss entscheiden.

Grundversorgung als erstes Ziel

Dass das Saarland bundesweit Schlusslicht beim Glasfaserausbau ist, erklärt die Staatskanzlei damit, dass sich die Landesregierung zunächst mit einem NGA-Ausbau mit Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s beschäftigt habe. Dabei sei es darum gegangen, zunächst eine nahezu flächendeckende und verlässliche Grundversorgung zu gewährleisten, die dem Bedarf gerecht werde.

Deshalb habe das Land 2015 auf die sogenannte FTTC-Technologie Vectoring gesetzt. Dabei handele es sich um ein Glasfaser-Upgrade der Kupferkabelnetze. Das sei im Vergleich zu reinen Glasfasernetzen schneller umzusetzen gewesen.

Außerdem sei für 48,9 Prozent der Haushalte im Saarland mit Stand Juni 2019 bereits eine Bandbreite mit einer Geschwindigkeit von mehr als 1000 Mbit/s verfügbar.

Weiterer Ausbau geplant

Das Land will nun auch die Gigabitanschlüsse auf Basis reiner Glasfasernetze ausgebauen. Über das Projekt "Gigabitpakt Schulen Saar" sollen zunächst alle interessierten Schulen einen Glasfaseranschluss erhalten.

Außerdem werden Unternehmen, die sich eine eigene Glasfaserleitung legen lassen, mit der sogenannten "Gigabitprämie Saarland" bezuschusst.

Außerdem seien in dem Nachtragshaushalt, der Anfang Juni beschlossen wurde, 100 Millionen Euro vorgesehen, um den Ausbau der Glasfasernetze zu fördern.

Kritik von SPD, Linken, AfD und FDP

Dass das Saarland im bundesweiten Vergleich beim Glasfaserausbau auf dem letzten Platz landet, hat für viel Kritik gesorgt. "Die Landesregierung redet sich die Welt schön, kündigt seit Jahren Offensiven an und es passiert: Nichts!", teilte etwa die Landtagsfraktion der Linken mit.

Die Landesregierung habe sich dem Ausbau seit Jahren verweigert. Anschlüsse mit 50 Mbit/s seien viel zu wenig, um im Wettbewerb mit anderen Bundesländern bestehen zu können.

Die SPD bezeichnete das Saarland als "Glasfaser-Entwicklungland". Kritik gab es auch von FDP und AfD.

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