Kabel in einem PoP-Verteiler von Glasfasern (Foto: picture alliance/dpa | Armin Weigel)

Unklarheit bei Glasfaser-Ausbau in St. Ingbert

Axel Wagner   21.07.2022 | 12:36 Uhr

Nach dem Rückzug der Deutschen Glasfaser ist offen, wie es mit dem Glasfaserausbau in St. Ingbert weitergeht. Die Stadt will jetzt zunächst über das weitere Vorgehen beraten. Ob ein anderer Netzanbieter den Ausbau übernimmt, ist noch nicht entschieden.

Der Rückzug sei „sehr überraschend“ gekommen, heißt es von Seiten der Stadt St. Ingbert auf SR-Anfrage. Am Montag hatte die Deutsche Glasfaser mitgeteilt, entgegen der bisherigen Pläne in St. Ingbert und seinen Ortsteilen vorerst kein Glasfaser verlegen zu wollen.

Die Stadt traf die Entscheidung der Deutschen Glasfaser offenbar unvorbereitet, zumal die Nachfragebündelung eigentlich noch bis August laufen sollte.

Nicht genügend Verträge

Der Grund für das Aus: zu wenig abgeschlossene Glasfaser-Verträge. Mindestens 40 Prozent der Haushalte hätten sich bei der Nachfragebündelung in dieser Ausbauphase für einen Glasfaser-Anschluss entscheiden müssen, so die Vorgabe des Unternehmens.

In den vergangenen Monaten war auch immer wieder Kritik an der aggressiven Werbestrategie der Deutschen Glasfaser im Saarland zu hören gewesen.

Der Konzern hat nach derzeitigem Stand für weite Teile des Saarlandes den alleinigen Ausbauauftrag. In Saarbrücken, Merzig, Homburg und Neunkirchen baut innerstädtisch die Deutsche Telekom das Glasfasernetz aus. In Püttlingen, Wadern und dem Mandelbachtal sowie in Eppelborn, Großrosseln und in Teilen von Heusweiler ist die VSE-Gruppe (Energis) damit befasst. Außerdem will Energis nach eigenen Angaben auch in Friedrichsthal ausbauen, nachdem sich die Deutsche Glasfaser dort im Juli vergangenen Jahres ebenfalls zurückgezogen hatte.

Allerdings arbeitet die Telekom ohne Nachfragebündelung, hat also kein Minimum an Aufträgen. Bei Energis liegt die Mindestquote zwischen 30 und 33 Prozent. Wie das Unternehmen dem SR mitteilte, stelle man aber "in Aussicht, auch partiell auszubauen, wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist". Andere Anbieter wie etwa Vodafone sind nach den bisherigen Planungen beim Glasfaserausbau im Saarland nicht involviert.

Ausbau mit anderem Partner oder in Eigenregie?

Wie es jetzt in St. Ingbert weitergeht, ist offen. Allerdings sieht sich die Stadt derzeit nicht unter direktem Zugzwang. Die Breitbandabdeckung mit Kupferkabel liege bei 99 Prozent, teilte ein Sprecher der Stadt dem SR mit. Man werde jetzt beraten, ob man nach anderen Partnern für den Ausbau sucht oder ob die Stadt dies vielleicht selbst übernimmt. Einen festen Zeitplan gibt es dafür bisher nicht.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät generell dazu, sich in der Erstausbauphase um einen Glasfaser-Vertrag zu bemühen, da der Ausbau dann staatlich gefördert wird. Es sei aber nicht nötig, den teuersten Vertrag zu nehmen.

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass sich der Ausbau der Glasfaseranschlüsse für Schulen im Saarland durch die Deutsche Glasfaser verzögern wird.


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21.07.2022, 12:33 Uhr
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, die VSE-Gruppe (Energis) arbeite nicht mit einer Nachfragebündelung. Richtig ist, dass Energis eine Mindestquote zwischen 30 und 33 Prozent hat, von der das Unternehmen aber im Einzelfall auch abweichen kann. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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