Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion aus der Luft ist innen bereits fertig, außen herum ist eine Baustelle (Foto: Alexander M. Groß/SR)

GIU-Aufsichtsrat beschäftigt sich mit Ludwigsparkstadion

Thomas Gerber   23.10.2020 | 16:23 Uhr

Der Aufsichtsrat der Saarbrücker Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung GIU befasst sich auf einer Dringlichkeitssitzung mit den jüngsten Entwicklungen rund um den Bau des Ludwigsparkstadions. Hintergrund ist die öffentliche Auseinandersetzung zwischen GIU-Geschäftsführer Welker und der Baufirma Gross über nicht gezahlte Rechnungen in Höhe von 850.000 Euro.

"Sehr merkwürdiges Geschäftsgebaren"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi / Thomas Gerber, 23.10.2020, Länge: 04:49 Min.]
"Sehr merkwürdiges Geschäftsgebaren"

Die Baufirma Gross will das Geld beim Landgericht einklagen. Welker weist demgegenüber auf Baumängel und nicht erbrachte Leistungen hin und hatte Gross "korruptives" Verhalten unterstellt. Zu diesen Vorwürfen war Welker am Donnerstag stundenlang von Sonderermittlern als Zeuge vernommen worden. Nach SR-Informationen ist eine weitere Vernehmung Welkers geplant. Um welche konkreten Vorwürfe es dabei geht, ist bislang nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft hatte vor der Vernehmung Welkers lediglich von "vagen Hinweisen" berichtet und darauf hingewiesen, dass kein eigenes Ermittlungsverfahren etwa gegen Gross eingeleitet worden sei.

Rechnungen anderer Firmen beglichen

Die Stadtverwaltung hat unterdessen Verzögerungen bei der Bezahlung der Baufirmen eingeräumt. Auf Intervention Welkers seien die Abläufe bei der Auszahlung beschleunigt worden. So seien binnen einer Woche Rechnungen in Höhe von einer Million Euro beglichen worden. Die Stadt betonte jedoch, dass nur "berechtige Forderungen" in Zukunft schneller bearbeitet werden sollen.

Sondersitzung beschäftigt sich mit Vorwürfen gegen Welker

In der Sondersitzung des Aufsichtsrats geht es heute darüber hinaus um Vorwürfe gegen Welker, er habe als Rechtsanwalt in einem Rechtsstreit über ein Vergabeverfahren sowohl die Interessen der GIU als auch die eines an der Vergabe beteiligten Unternehmens vertreten. Das Oberlandesgericht hatte ihn als Rechtsanwalt wegen einer mutmaßlichen Interessenskollision gerügt.

In einem weiteren Tagesordnungspunkten geht es zudem darum, dass Welker offenbar fast zwei Jahrzehnte ohne Honorar für die GIU als Berater tätig war. Ein 2017 einstimmig im Aufsichtsrat verabschiedeter Vergleich sieht vor, dass ihm im Nachhinein dafür 1,8 Millionen Euro zustehen. Auch diesen Betrag hat er bisher noch nicht in Rechnung gestellt - Ende des Jahres wäre sein Anspruch verjährt. Jahrelanges kostenloses Arbeiten - nicht nur den Aufsichtsräten gibt das Rätsel auf.

Ergebnisse entscheidend für Besetzung der Baudezernentenstellung

Aus Kreisen des Aufsichtsrats hieß es, dass die Ergebnisse der heutigen Dringlichkeitssitzung für die Kandidatur Welkers als neuer Baudezernent durchaus entscheidend sein könnten. Welker war von CDU-Oberbürgermeister Uwe Conradt vorgeschlagen worden. Ob es für Welker eine Mehrheit im Stadtrat gibt, ist völlig offen. Auch die regierende Jamaikakoalition aus CDU, Grünen und FDP hat sich für die Wahl Anfang November noch nicht endgültig festgelegt. Ein FDP-Sprecher bezeichnete Welker als einen "nicht extrem idealen Kandidaten."

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 23.10.2020 berichtet.

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