Ein Krankenschein liegt mit einem Rezept, Tabletten und einem Kugelschreiber auf einem Tisch. (Foto: picture alliance / Zoonar | stockfotos-mg)

Saarländer sind häufiger krank als andere

  03.11.2021 | 17:55 Uhr

Saarländerinnen und Saarländer sind häufiger krank als im bundesdeutschen Durchschnitt. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Gesundheitsbericht hervor. Woran das liegt, darüber wird bislang gerätselt.

Mit einem Krankenstand von 5,8 Prozent sind Saarländerinnen und Saarländer im Jahr 2019 an rund 21 Tagen krankheitsbedingt ausgefallen – deutlich länger als im Bundesvergleich (19 Tage). So steht es im ersten saarländischen Gesundheitsbericht, den die regionale Koordinierungsstelle für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) am Mittwoch vorgelegt hat.

Video [aktueller bericht, 02.11.2021, Länge 2:57 Min.]
Neuer Krankenbericht offenbart hohen Krankenstand im Saarland

Spekulation über Ursachen

Warum das so ist, darüber herrscht großes Rätselraten. Jörg Loth, Vorsitzender der IKK Südwest und Koordinator für den Bericht, sagte dem SR, früher herangezogene Erklärungen wie die vergleichsweise vielen Arbeitsplätze in der Industrie und im Bergbau seien mittlerweile veraltet. Er vermutet sozioökonomische Faktoren als eine Ursache, also etwa das zum Teil niedrigere Bildungsniveau im Saarland, Einkommen, aber auch schwierige Familienverhältnisse.

Jüngere öfter, aber kürzer krank

Am häufigsten krankgeschrieben waren im Vergleich junge Erwerbstätige bis 19 Jahre. Auf jeden saarländischen Beschäftigten aus dieser Altersgruppe entfielen 2019 im Schnitt mehr als zwei Krankschreibungen. Bei den über 55-Jährigen waren es dagegen nur 1,5 Krankschreibungen.

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Dafür haben jüngere Arbeitnehmer meistens kürzer gefehlt als ältere. Beschäftigte ab 60 Jahren fielen im Schnitt knapp 39 Tage pro Jahr aus, unter 20-Jährige dagegen nur 12,6 Tage.

Rücken und psychische Probleme

Ganz oben bei den Erkrankungen stehen Rückenprobleme, also Muskel-Skelett-Erkrankungen. Dahinter folgen psychische Krankheiten. Bei Letzteren gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während Männer an durchschnittlich drei Tagen wegen einer Depression oder anderen psychischen Erkrankungen fehlen, sind es bei den Frauen 4,7 Tage.

Damit liegen die psychischen Erkrankungen bei den Frauen an erster Stelle, noch vor Rückenschmerzen. Sie sind gleichzeitig auch mit Abstand die häufigste Ursache, weshalb Menschen gar nicht mehr arbeiten können und eine Erwerbsminderungsrente beantragen müssen.

St. Wendel Spitzenreiter

Besonders hoch ist der Krankenstand bei Beschäftigten in der Abwasser- und Müllentsorgung (7,8 Prozent), gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (6,8 Prozent). Auch das Sozial- und Gesundheitswesen ist stark betroffen (6,0 Prozent).

Regional betrachtet hatte der Kreis St. Wendel 2019 mit 23 Fehltagen pro Jahr den höchsten Krankenstand (6,3 Prozent), der Regionalverband Saarbrücken den niedrigsten (5,6 Prozent). Hier liegt die Zahl der Fehltage pro Beschäftigtem und Jahr bei 20.

Als Konsequenz aus dem Gesundheitsbericht wollen die Krankenkassen nun in den Landkreisen und Branchen, in denen Menschen besonders häufig krank sind, Unternehmen beim Auf- und Ausbau ihrer präventiven Angebote unterstützen, also das betriebliche Gesundheitsmanagement vorantreiben.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 03.11.2021 berichtet.

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