Ingrid Levavasseur, eine der führenden Persönlichkeiten der Proteste der «Gelbwesten» in Frankreich (Foto: dpa/Francois Mori)

„Gelbwesten“ wollen bei Europawahl antreten

Axel Wagner   24.01.2019 | 10:27 Uhr

Die Protestbewegung der „Gilets jaunes“ in Frankreich will bei den Europawahlen im Mai mit einer eigenen Liste antreten. Bislang wurden zehn Kandidaten vorgestellt, bis Februar sollen 79 Personen auf der Liste stehen.

An der Spitze steht Ingrid Levavasseur, eine 31-jährige Krankenpflegerin aus der Normandie. Sie gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Bewegung. Man müsse den Ärger der „sozialen Bürgerbewegung“ in ein humanes politisches Projekt transformieren, das den Franzosen Antworten liefern kann, sagte sie dem französischen Fernsehsender BFMTV.

Ein Programm sei in Vorbereitung, erklärte Hayk Shahinyan, Gründungsmitglied der „Gelbwesten“ aus Dieppe und Kampagnenleiter der Liste, gegenüber dem Sender. „Wir wollen eine Liste erstellen, die den Bürgern ähnelt, und wir wollen zeigen, dass wir vom ersten Tag an unabhängig sind.“ Er selbst, so Shahinyan, stehe aber nicht auf der Liste.

Unter neuem Namen in die Politik

Die Bezeichnung „Gilets jaunes“ soll dabei in den Hintergrund treten. Die neue Liste läuft unter dem Namen „Ralliement d’initiative citoyenne“ (RIC), „Sammlung der Bürgerinitiative“. Der Name lehnt sich an das „référendum d’initiative citoyenne“ an, einer Volksinitiative, die von den „Gelbwesten“ seit ihrer Gründung gefordert wird.

Die „Gelbwesten“ demonstrieren seit vergangenem November gegen die Reformpolitik von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Ihre Liste könnte einer Umfrage von BFMTV zufolge bei den Europawahlen auf bis zu 13 Prozent der Stimmen kommen, hinter Macrons Bewegung „La République en Marche“ und dem rechtspopulistischen „Rassemblement national“, dem ehemaligen „Front National“ von Marine Le Pen.

Über dieses Thema wurde auch am 24.01.2019 in der „SR 3 - Rundschau“ berichtet.

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