Gelbe Tonne für Wertstoffe (Foto: dpa)

Gretchenfrage: Gelbe Tonne oder Gelber Sack?

Kai Forst   09.03.2019 | 08:30 Uhr

Saarbrücken, Lebach, St. Wendel und Völklingen haben bereits entschieden: Sie wollen ab 2021 die Gelben Säcke durch die Gelbe Tonne ersetzen. St. Ingbert erteilt der Gelben Tonne indes eine Absage. Mit Eppelborn wird am 11. April die nächste saarländische Gemeinde entscheiden. Andere Kommunen wie zum Beispiel Wadgassen halten sich noch bedeckt - aus taktischen Gründen.

Wie viele andere Kommunen hatte auch Eppelborn in der Vergangenheit Probleme mit den Gelben Säcken. Zu dünn und zu häufig vergriffen – so lauteten auch hier die Klagen vieler Bürger. Aus diesem Anlass wird die Gemeinde im Landkreis Neunkirchen, die wie acht andere Kommunen die Müllabfuhr unabhängig vom EVS eigenständig organisiert, das Thema am 11. April in den Gemeinderat bringen. Eine Präferenz, welches System das bessere ist, gibt es seitens der Verwaltung allerdings noch nicht. Es gebe bei beiden Systemen Vor- und Nachteile, die man gegeneinander abwägen müsse, teilte eine Sprecherin SR.de mit. „Daher gibt die Verwaltung dem Gemeinderat auch keine Empfehlung zur Abstimmung.“

Keine Gelbe Tonne in St. Ingbert

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Gelbe Tonne für Lebach

In St. Ingbert, wo die Abfuhr ebenfalls in Eigenregie durchgeführt wird, hat man indes klarere Vorstellungen. Die Stadt will an den Gelben Säcken festhalten. „Die Gelbe Tonne ist bei uns kein Thema“, sagte Stadtpressesprecher Peter Gaschott. In der Vergangenheit habe es zwar Probleme mit der Verfügbarkeit der Säcke gegeben. Die seien aber beseitigt und das System mit den Gelben Säcken funktioniere derzeit gut. Damit fährt St. Ingbert eine andere Linie als Saarbrücken, Lebach, St. Wendel und Völklingen. Dort hat man sich seitens der Verwaltung bereits auf die Gelbe Tonne festgelegt, die dann ab 2021 eingeführt werden soll.

Greiber: „Taktisch unkluges Verhalten“

Merzig, Mettlach und Wadgassen bleiben hingegen noch abwartend. Aus der Merziger Verwaltung heißt es, das Thema Gelbe Tonne sei zwar schon besprochen worden. Allerdings gebe es noch keine erkennbare Richtung. „Es gibt Befürworter für die Gelbe Tonne und es gibt Befürworter für die Gelben Säcke“, sagte ein Sprecher. Im Stadtrat werde das in absehbarer Zeit allerdings kein Thema sein. In Mettlach wartet man unterdessen auf die Verhandlungen mit dem Dualen System, denn die Frage Gelber Sack oder Gelbe Tonne bedürfe einer Abstimmung und könne nicht allein entschieden werden.

Noch deutlicher formuliert es der Wadgassener Bürgermeister Sebastian Greiber (SPD): „Die Verhandlungen mit dem Dualen System stehen noch aus und vorher legen wir uns noch nicht fest, denn das würde unsere Verhandlungsposition schwächen.“ Mit Blick auf die Kommunen Saarbrücken, Lebach, St. Wendel und Völklingen sagte Greiber: „Ich empfinde das Vorgehen der Kommunen, die sich vor den Verhandlungen bereits festgelegt haben, als taktisch unklug.“

Greiber: „Qualität der Säcke kein Zufall“

Greiber glaubt zudem, dass das Duale System ein Interesse daran hat, dass sich die Kommunen für die Gelben Tonnen aussprechen. „Die Erfahrung in anderen Bundesländern zeigt: Die Zahl der Fehlwürfe ist enorm hoch, in manchen Großstädten macht Restmüll einen großen Anteil in der Gelben Tonne aus. In diesen Fällen muss dann die Kommune ordentlich draufzahlen, wird also zum Co-Finanzierer der Gelben Tonne. Und der über die Gelben Tonnen entsorgte Restmüll, fehlt in den grauen Tonnen und unseren Anlagen. Das heißt dann für die Bürger: steigende Gebühren.“

Auch wenn es um die Qualität der Gelben Säcke geht, die stark zu wünschen übrig lässt, hat Greiber eine klare Meinung. „Ich glaube da nicht an Zufall. Seit 2018 die Zuständigkeiten neu geregelt wurden und die Verhandlungen anstehen, sind die Säcke kleiner und wesentlich dünner und zerreißen sehr leicht. Und warum wohl? Erst seitdem ist die Diskussion um die Gelbe Tonne überhaupt nochmal vermehrt entstanden, weil die Bürger sich zu Recht über die Säcke ärgern.“ So entstünde der Eindruck, die Kommunen wollten die Gelbe Tonne und müssten das Duale System davon überzeugen. Für Greiber sieht es aber anders aus: „Es ist aber meiner Meinung nach vielmehr so: Das Duale System hat ein enormes Interesse daran, dass die Kommunen sich gegen die Gelben Säcke und für die Gelbe Tonne entscheiden."

"Es geht um ein komplexes Handlungspaket"

Für die Mehrheit der saarländischen Kommunen, nämlich 43, ist der Entsorgungsverband Saar (EVS) zuständig. Auch er will sich vor den Verhandlungen noch nicht festlegen. „Es würde unsere Verhandlungsposition mit Sicherheit nicht positiv beeinflussen, wenn wir öffentlich eine Vorfestlegung treffen würden“, sagte EVS-Sprecherin Marianne Lehmann. Zudem gehe es um weit mehr, als einfach um die Frage: Gelber Sack oder Gelbe Tonne. „Es handelt sich vielmehr um ein komplexes Verhandlungspaket zum Beispiel über technische und finanzielle Detailfragen auch zur Papier- und Glaseinsammlung“, sagte Lehmann.

Wann die Verhandlungen, starten ist unklar. Bislang sei der Einstieg daran gescheitert, dass das Duale System noch keinen Verhandlungsführer benannt habe. Das Stimmungsbild in den Kommunen in der Frage Gelber Sack oder Gelbe Tonne sei unterdessen, „anders als es die Verlautbarungen der jüngsten Zeit eventuell vermuten lassen“, ausgewogen, so Lehmann. Während politisch das Thema Stadtsauberkeit häufig im Vordergrund stehe, sei für viele Haushalte die individuelle Handhabbarkeit der Verpackungsentsorgung von vorrangiger Bedeutung.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 09.03.2019 berichtet.

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