Auf Lohn- und Gehaltsabrechnungen (Entgeltabrechnungen) liegen Euromünzen und Eurogeldscheine (Foto: dpa/Arno Burgi)

Gerechte Löhne: Wie tief ist der Gender Pay Gap?

Christian Leistenschneider   10.09.2018 | 15:32 Uhr

Frauen erhalten weniger Lohn als Männer. Doch wie viel genau? Das Statistische Bundesamt hat erstmals verglichen, wie groß die Verdienstunterschiede nicht nur zwischen Männern und Frauen generell, sondern zwischen Gleichqualifizierten in den einzelnen Bundesländern sind. Das Saarland liegt dabei im Bundesschnitt.

Jährlich kursiert die Meldung, dass Frauen in Deutschland ein Fünftel weniger bezahlt bekommen als Männer. Diese Zahl kommt zustande, wenn man schlicht vergleicht, was die Geschlechter durchschnittlich verdienen. So erhielten Männer im Saarland 2014 im Schnitt 18,75 Euro brutto pro Stunde, Frauen 14,35 Euro (im Bund sind es 18,99 Euro bzw. 14,84 Euro). Das ergibt einen Einkommensunterschied von 23,5 Prozent. Bundesweit liegt das Saarland damit auf Rang neun.

Gehaltsdifferenzen auch bei gleicher Qualifikation

Bei dieser Gegenüberstellung werden alle Berufsformen unterschiedslos miteinander vermengt. Ausbildung, Arbeitszeit, Art der Tätigkeit bleiben unberücksichtigt. Nimmt man diese Faktoren in den Vergleich mit hinein, sodass möglichst gleichartige Positionen in den Blick kommen, dann verringert sich die Differenz deutlich – ohne allerdings gänzlich zu verschwinden: Auch bei gleicher Qualifikation und Arbeitszeit erhalten Männer im Saarland 5,8 Prozent mehr Lohn als Frauen – das entspricht in etwa dem Bundesschnitt.

Das Statistische Bundesamt wertet diese Zahl – den sogenannten bereinigten Gender Pay Gap – als Obergrenze für Lohndiskriminierung, da etwa das Verhalten in Gehaltsverhandlungen nicht berücksichtigt werden kann. Das bedeutet, dass die tatsächlich auf Diskriminierung zurückzuführenden Lohnabstände auch geringer sein könnten. Auf der anderen Seite weist die Behörde darauf hin, dass die großen Unterschieden in den Bruttostundenlöhnen der Geschlechter auch daher rühren könnten, dass Frauen der Zugang zu lukrativen Berufen und Positionen erschwert wird.

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