Gedenkstätte Neue Bremm (Foto: SR)

Gedenken an ermordete Sinti und Roma

mit Informationen von Carolin Dylla   02.08.2020 | 16:29 Uhr

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma im Saarland, Diana Bastian, hat vor wachsender Diskriminierung und Ausgrenzung von Sinti und Roma gewarnt. Das sagte Bastian am Rande der Gedenkfeier für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im ehemaligen Gestapo-Lager Neue Bremm.

Gerade bei ihrer Arbeit in Schulen stelle sie fest, dass es noch immer an Wissen über die Kultur und Lebensweise der Sinti und Roma fehle, so Diana Bastian. Noch immer müsste diese Gruppe darum kämpfen, als Deutsche anerkannt zu werden. Und: gerade während der Corona-Pandemie seien Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma wieder stärker zu spüren gewesen.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 02.08.2020, Länge: 3:42 Min.]
Holocaust-Gedenktag an Sinti und Roma

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermordete die SS rund 2.900 Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dabei handelte es sich vor allem um Kinder, Frauen und Alte. Aus dem ehemaligen Gestapo-Lager Neue Bremm waren 24 saarländische Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden.

Menschenfeindlichkeit auch nach 1945

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) bezeichnete den Gedenktag als “Mahnung und Auftrag”. Rassismus, Antiziganismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit seien nach 1945 nicht vorbei gewesen, so Conradt. Dagegen müsse die Gesellschaft Rückgrat zeigen.

Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU) sagte, nach dem Krieg habe es in Deutschland sehr lange gedauert, bis Deutschland auch die Sinti und Roma als Opfer des NS-Völkermordes anerkannt habe. Umso wichtiger sei es, dass das Gedenken an diese Opfer selbstverständlicher Teil unserer Erinnerungskultur werde. An der Gedenkfeier nahmen auch Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) sowie Bildungsstaatssekretär Jan Benedyczuk (SPD) teil.

Angst vor Ausgrenzung

Der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose, beklagte im Interview mit dem WDR ein "sehr einseitiges Bild" über Sinti und Roma in der Gesellschaft. "Der überwiegende Teil unserer Minderheit lebt in der Anonymität. Sie haben Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung", sagte Rose.

Er verwies auf die 2014 von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlichte Großstudie "Bevölkerungseinstellungen zu Sinti und Roma", wonach jeder dritte Deutsche Sinti und Roma als Nachbarn ablehnt. Das seien oft Leute, die gar nicht wüssten, dass sie sie bereits als Nachbarn hätten, betonte Rose.

Keine Schuldübertragung

Wenn es um die Erinnerung an Auschwitz gehe, "dann geht es nicht um Schuldübertragung, dann geht es darum Verantwortung zu übernehmen, für Rechtsstaat und Demokratie und die gemeinsame Zukunft eines vereinigten Europa", so der Zentralratsvorsitzende.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 02.08.2020 berichtet.

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