Kinder in einer Schulklasse, ein Mädchen meldet sich (Foto: picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa)

Zahl der "echten" Ganztagsschulen wächst

Kai Forst   08.12.2019 | 08:30 Uhr

Der Ausbau der gebundenen Ganztagsschulen im Saarland geht voran. Nach Angaben des Bildungsministeriums hat sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren fast vervierfacht. Die Landeselterninitiative für Bildung sieht darin einen großen Fortschritt für die Qualität des schulischen Bildungsangebots. Der Lehrerinnen- und Lehrerverband bremst indes die Euphorie.

Vor allem in der Politik ist man sich einig: Echter Ganztag bringt auch echte Förderung und verbessert die Chancengerechtigkeit in der Bildung. Dementsprechend wird der gebundene Ganztag, Schulen also, an denen an vier Tagen in der Woche der Unterricht bis 16 Uhr verpflichtend ist, sukzessive ausgebaut.

Mehr gebundene Ganztagsschulen
Audio [SR 3, (c) SR, 08.12.2019, Länge: 00:45 Min.]
Mehr gebundene Ganztagsschulen

Im Saarland hat sich die Zahl der gebundenen Ganztagsschulen laut dem Bildungsministerium in den vergangenen Jahren fast vervierfacht. Demnach gibt es im aktuellen Schuljahr 34 Schulen mit echten Ganztagesangeboten. 2012/2013 waren es neun. "Das zeigt: Das Angebot wird gut angenommen“, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Man werde auch in Zukunft die Voraussetzungen schaffen, um echte Ganztagesangebote im Saarland weiter auszubauen. "Im Ministerium für Bildung und Kultur haben wir für die Einrichtung weiterer echter Ganztagsschulen entsprechende Haushaltsmittel eingeplant“, so ein Sprecher. Bis zu fünf Schulen pro Schuljahr seien möglich. Für den Ausbau allerdings seien die Schulträger verantwortlich.

"Großer Fortschritt für die Qualität"

Die Landeselterninitiative für Bildung sieht in dem Ausbau von echten Ganztagsschulen einen "großen Fortschritt für die Qualität des schulischen Bildungsangebots" und einen wirksamen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit. „Gerade die echten Ganztagsschulen tragen wesentlich zur Abkoppelung des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft bei“, sagte Initiativen-Sprecher Bernhard Strube.

Er appellierte auch an Kommunen und Landkreise, mehr Investitionen in bauliche Erweiterungen an Schulen aufzubringen als bisher, damit dort Ganztagsschulen entstehen können. Häufig fehle der Investitionswille vor Ort, obwohl das Land mit Personal und einem Investitionsprogramm "in Bereitschaft und im Wort" stehe, das Angebot auszuweiten.

SLLV bremst die Euphorie

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband bremst ein wenig die Euphorie, wenn es um die gebundenen Ganztagsschulen geht. Nicht überall sei der verpflichtende Unterricht bis zum Nachmittag sinnvoll. Man müsse die Bedarfe vor Ort im Auge behalten und schauen, welche Angebote wo sinnvoll sind. "Und man muss alle Beteiligten ins Boot holen – auch die Eltern. Und es ist nun einmal so, dass viele Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder vier Tage in der Woche bis 16 Uhr in der Schule sein müssen. Diese Eltern wollen ihre Kinder jenseits der Schule fördern – zum Beispiel in Musikschulen oder in Sportvereinen", sagte die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch.

Vieles davon sei nicht möglich bei gebundenen Ganztagsschulen. Zuletzt hatte sich in einer Befragung der Landeelternvertretung der Gymnasien die Mehrzahl der 7000 befragten Eltern für eine freiwillige Ganztagsschule ausgesprochen. Nur 15 Prozent dieser Eltern sieht die gebundene Ganztagsform als sinnvoll an.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 08.12.2019 berichtet.

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