Ein Serviettenetui mit Gabel, Messer und Löffel und dem Aufdruck «Lust auf einen Aperitif?» liegt in einem Restaurant neben einem Smartphone, dessen Display ein negatives Corona-Testergebnis zeigt (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache)

Gastronomen werfen Landesregierung "Zickzack-Kurs" vor

  04.06.2021 | 14:21 Uhr

Trotz niedrigerer Inzidenzen gelten im Saarland für die Gastronomie strengere Regeln als zu Beginn des Saarland-Modells. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga wirft der Regierung deswegen einen "Zickzack-Kurs" vor, der zu einer Benachteiligung gegenüber Nachbarregionen führe.

Mit einer deutlichen Ansage machen Gastronomen und Hoteliers ihrer Enttäuschung über das Saarland-Modell Luft: Anfangs habe das Land durch das Projekt eine Vorreiterrolle in Sachen Öffnungen innegehabt, inzwischen hinke die einstige Modellregion jedoch hinterher, überholt nicht zuletzt vom Nachbarn Rheinland-Pfalz. Dort seien schon viele Erleichterungen eingeführt, während im Saarland manche Regeln verschärft wurden.

Gastronomie und Hotellerie ziehen Zwischenbilanz
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 04.06.2021, Länge: 02:18 Min.]
Gastronomie und Hotellerie ziehen Zwischenbilanz

Es habe eine "Verwässerung" des Modells gegeben, die sich vor allem durch die "klammheimliche Abschaffung" der Stufe Grün zeige. "Das eigentlich gute Saarland-Modell hat seine Linie verloren", erklärt Michael Buchna, Landespräsident des Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. "Es herrscht ein Regel-Wirrwarr, das alle 14 Tage von der Realität eingeholt wird."

Strengere Regeln trotz niedrigerer Inzidenz

Nach den ursprünglichen Regeln des Saarland-Modells, wie es am 6. April in Kraft trat, gäbe es bei einer Inzidenz unter 100 in der Gastronomie keine Testerfordernis für Gruppen, die auch im privaten Bereich ohne Test zusammenkommen dürfen, erklärt der Dehoga. Zudem sei in der grünen Phase ein Alkoholausschank bis 23.00 Uhr möglich gewesen. Beide Regeln würden nicht mehr gelten, obwohl es weniger als die Hälfte der Inzidenzen gebe als zu dem Zeitpunkt, als die Ampel in Kraft trat.

Wegen der ungleichen Vorgaben befürchtet der Dehoga einen Öffnungstourismus und einen Wettbewerbsnachteil für die saarländischen Gaststätten und Hotel. Er fordert einen früheren Wegfall der Testplicht als den von der Landesregierung geplanten 11. Juni, denn in Rheinland-Pfalz gebe es diese Pflicht bereits nicht mehr.

Außerdem müssten die Ausschankzeiten von Alkohol auf mindestens 23.00 Uhr erweitert werden - auch da gebe es im Nachbarbundesland bereits keine zeitlichen Beschränkungen mehr. Insbesondere wegen der anstehenden Fußball-Europameisterschaft müsste diese dieser Verordnungen aufgehoben werden, wolle man die Akzeptanz der Maßnahmen nicht erneut aufs Spiel setzen.

Linke unterstützen Forderungen

Und der Forderungskatalog des Dehoga geht noch weiter: Die Reservierungspflicht müsse ebenso wegfallen wie das Schließungsgebot von Innenschwimmbädern und Saunen im Wellnessbereich von Hotels. Auch das sei in Rheinland-Pfalz bereits aufgehoben. Das Hygienekonzept für Feste in der Gastronomie müsse angepasst und den Veranstaltern mehr Planungssicherheit geboten werden.

Unterstützung für seine Forderungen bekommt der Verband von der Linken-Fraktion im Landtag. Es gebe keinen vernünftigen Grund, dass im Saarland andere Bestimmungen als im Nachbarland Rheinland-Pfalz erlassen würden, teilte Fraktionschef Oskar Lafontaine mit. "Das saarländische Hotel- und Gaststättengewerbe hat genügend Nachteile durch die zögerliche Entscheidung der Landesregierung gehabt. Es ist nun erforderlich, dass eine Abstimmung mit den Nachbarregionen Luxemburg, Lothringen und Rheinland-Pfalz erfolgt, damit kein unnötiger Tourismus stattfindet und die saarländische Gastronomie dabei das Nachsehen hat."

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 04.06.2021 berichtet.

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