Gasanschluss mit russischen Nationalfarben, Symbolfoto für russische Gaslieferungen (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde)

Derzeit keine Gas-Engpässe zu erwarten

  27.04.2022 | 19:18 Uhr

Russland hat Polen und Bulgarien den Gashahn zugedreht. Wie steht es nun um das Gas für Deutschland und das Saarland? Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Verbandes Energie- und Wasserwirtschaft im Saarland, Hanno Dornseifer, ist die Versorgung derzeit nicht gefährdet.

Der russische Staatskonzern Gazprom macht ernst und stoppt Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien. Drohen nun auch Auswirkungen auf die Versorgung in Deutschland? Voerst nicht, sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Energie- und Wasserwirtschaft im Saarland, Hanno Dornseifer. Bisher seien die Lieferströme aus Russland trotz der Ukraine-Krise stabil, sagte Dornseifer im SR-Interview.

Nach Gas-Stopp für Polen und Bulgarien: Derzeit keine Gas-Engpässe zu erwarten
Audio [SR 3, Dorothee Scharner / Hanno Dornseifer, 27.04.2022, Länge: 03:49 Min.]
Nach Gas-Stopp für Polen und Bulgarien: Derzeit keine Gas-Engpässe zu erwarten

Speicher werden gefüllt

"Die Speicher werden nun auch wieder sukzessive gefüllt. Stand heute haben wir einen Füllstand, der vergleichbar ist mit dem der vergangenen Jahre. Im Moment sehe ich also nicht, dass die Versorgung mit Erdgas in Deutschland gefährdet ist".

Anders sehe es aus, wenn Russland nun auch Deutschland den Gashahn zudrehen würde. Dann stünde man vor einer großen Herausforderung, sagte Dornseifer. Man käme dann mit den vorhandenen Füllständen zwar die nächsten Wochen und Monate über die Runden. "Die Herausforderung bestünde dann aber darin, über den Winter zu kommen, wenn wir jetzt die Speicher nicht weiter mit russischem Gas füllen könnten."

Gas-Stopp würde Arbeitsplätze kosten

Besonders treffen würde ein russischer Gasstopp für Deutschland auch die saarländische Industrie. "Wir haben ganz große Energieabnehmer im Saarland, die dann ihre Produktion reduzieren oder sogar einstellen müssten", so Dornseifer. Das würde auch mit dem Verlust von Arbeitsplätzen einhergehen.

Gleichzeitig betonte Dornseifer, dass Deutschland derzeit keine Alternative zum russischen Erdgas habe.

IHK fordert Neuausrichtung der Energiepolitik

Genau hier setzt eine aktuelle Resolution der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland an: Sie fordert von der Politik, die Energieversorgung in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Preisen zu sichern.

Eine bezahlbare Versorgung müsse gewährleistet sein, wenn nötig auch dadurch, dass Kohle- und Kernkraftwerke erst einmal weitergeführt werden. Außerdem müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien und von Speichersystemen massiv ausgeweitet werden.

Maßnahmen in Bundestag einbringen

Die IHK spricht auch von einer notwendigen "Technologieoffenheit" - zum Beispiel in Form von der Erschließung von Schiefer- oder Kohlengas.

Sie sieht die saarländische Landesregierung in der Pflicht, diese und viele weitere der in der Resolution geforderten Maßnahmen im Bund einzubringen. Darüber hinaus sei ein eigenes saarländisches Landesprogramm gefragt, betont die IHK.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.04.2022 berichtet.

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