Gasanschluss mit russischen Nationalfarben, Symbolfoto für russische Gaslieferungen (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde)

Gasmangel könnte im Winter zu Engpässen führen

mit Informationen von Nelly Thelen   29.06.2022 | 21:49 Uhr

Wie gut ist das Saarland im Herbst und Winter in Sachen Energieversorgung aufgestellt? Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) machte deutlich, dass es durchaus zu Engpässen kommen könnte. Dann sei eine Kontingentierung von Gas insbesondere im Industriebereich möglich.

Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) machte am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtages deutlich, dass die Aussichten alles andere als rosig sind.

"Könnte zu einer Kontingentierung führen"

Die von Russland gelieferte Gasmenge sei auf 40 Prozent der technischen Kapazität gesunken. „Wir müssen davon ausgehen, dass es durchaus zu Mangelsituationen in der Wintersaison kommen könnte, wenn es auf diesem Niveau bleibt. Das könnte am Ende zu einer möglichen Kontingentierung von Gasmengen insbesondere im Industriebereich führen“, so Barke.

Video [aktueller bericht, 29.06.2022, Länge: 3:02 Min.]
Wirtschafts- und Energieminister Barke zur Energieversorgung

Es geht um Arbeitsplätze

Am Ende gehe es auch um die Beschäftigungssicherung und viele Tausend Arbeitsplätze im Saarland. Die seien von der Produktion abhängig, die nur stattfinden könne, wenn eine entsprechende Gasversorgung gewährleistet sei.

Aufruf zum Energiesparen

Die Landesregierung will jetzt in eine große Kampagne einsteigen und zum Energiesparen aufrufen. Das sei eine erste Maßnahme. „Das fängt an mit der Beleuchtung und geht hin bis zu Verbräuchen, die man möglicherweise eher aus Luxus macht. Wir werden auch mit den Kommunen darüber reden müssen, ob es in öffentlichen Einrichtungen die Möglichkeit gibt, Gasverbräuche zu reduzieren“, sagte der SPD-Politiker.

Doch selbst wenn Energie in Form von Gas vorhanden sein sollte, werden die Preise wohl weiter steigen. Laut Sebastian Schmitt, energiepolitischer Sprecher SPD-Fraktion, sei die Bundesregierung gerade dabei, „Pakete zu schnüren und dort auch soziale Entlastungen herbei zu führen“.  So soll dafür gesorgt werden, dass die Preise auch im Winter einigermaßen in Bahnen gehalten werden können und nicht zu sehr ausufern werden.

CDU-Fraktion fordert Steuerentlastungen

Die CDU-Fraktion kritisierte im Wirtschaftsausschuss,  es sei zu lange gezögert worden und fordert nun Steuersenkungen. „Stromsteuer runter, Energiesteuer runter, Umsatzsteuer auf das minimale runter für Energie. Die Leute müssen jetzt und müssen im Winter spätestens ihre Öltanks füllen, müssen die neuen Rechnungen bezahlen im Bereich Gas. Es ist dringend notwendig, dass jetzt gehandelt wird“, sagte Marc Speicher, energiepolitischer Sprecher CDU Fraktion.

Kohlekraftwerke werden reaktiviert

Ein weiterer Vorwurf: Die Kohlekraftwerke hätten früher reaktiviert werden können. SPD-Wirtschaftsminister Barke betonte, daran werde gearbeitet - auch im Saarland. Demnach sollen die Kraftwerke in Reserve in den nächsten sechs bis acht Wochen in erste Versorgungsaufträge einsteigen. „Bis das stabil und rund läuft, kann das auch bis zu drei Monaten dauern, aber dann sind wir erst im September“, so Barke.

Er fordert vom Bund für mehr Planungssicherheit eine Rückkehr der Kohlekraftwerke bis 2027. Zehn bis 15 Prozent der Gasmenge in Deutschland könnten laut dem Minister durch Kohle in der Stromerzeugung ersetzt werden.

Über dieses Thema hat auch die SR-Fernsehsendung "aktueller bericht" am 29.06.2022 berichtet.

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