Nachmittagsbetreuung in einer Schule (Foto: SR)

Streit um Ganztagsbetreuung schwelt weiter

Christine Alt / Onlinefassung: Axel Wagner   10.07.2019 | 19:44 Uhr

Die Kürzung der Lehrerstunden in der Hausaufgabenbetreuung an Freiwilligen Ganztagsschulen hat Eltern- und Schülervertreter auf den Plan gerufen, aber auch Lehrerverbände und Schulleiter protestieren. Dabei ist es nicht ganz einfach zu verstehen, worum es genau geht und wen der Streit eigentlich trifft.

Das Schulsystem ist in Bewegung. Seit Jahren gibt es keine reinen Halbtagsschulen mehr. Von den knapp 300 allgemeinbildenden Schulen sind der Großteil, nämlich gut 80 Prozent, Freiwillige Ganztagsschulen. Langsam wachsen die gebundenen Ganztagsschulen auf jetzt acht Prozent – ein im bundesweiten Vergleich immer noch geringer Anteil. Drei Prozent der Schulen bieten beide Systeme unter einem Dach an, und neun Prozent – meist Förderschulen – machen eine ganz eigene Ganztagsform.

Video [aktueller bericht, 10.07.2019, Länge: 3:18 Min.]
Streit um Lehrstellen an freiwilligen Ganztagsschulen

Trend zur gebundenen Ganztagsschule

Nach den Worten von Anna Haßdenteufel, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Saarland, steigen aber besonders an den gebundenen Ganztagsschulen die Anmeldezahlen. „Eigentlich zeigt sich auch hier im Saarland ein Elternwille sehr deutlich in Richtung der echten gebundenen Ganztagsschule.“

Dort läuft es so: Von 8.00 bis 16.00 Uhr ist Schule. Lehrerkollegium sowie Sozialpädagogen und Erzieher arbeiten eng zusammen, schon am Vormittag. Es gibt genauso viele Unterrichtsstunden wie an Freiwilligen Ganztagsschulen, aber mehr und längere Pausen, zum Beispiel für Mittagessen und Bewegung. Zudem gibt es keine Hausaufgaben, sondern Lernzeit am Nachmittag, und die Eltern zahlen keine Beiträge, denn die Kommunen bezahlen das sozialpädagogische Personal.  

Schnittstelle Hausaufgabenzeit

Anders läuft es an Freiwilligen Ganztagsschulen. Dort machen die Lehrer bis zur Mittagszeit den Schulunterricht. Danach übernehmen die Mitarbeiter der freien Träger bis durchschnittlich 17.00 Uhr. Zu den Trägern gehören unter anderem die Arbeiterwohlfahrt und die Caritas, aber auch Elternvereine. Sie organisieren das Mittagessen und ein Freizeitangebot. Dafür bezahlen die Eltern zwischen 40 und 60 Euro im Monat.

Die Schnittstelle der beiden Akteure ist die Hausaufgabenzeit, und genau darum gibt es derzeit Streit. Zwischen 14.00 und 15.00 Uhr beaufsichtigen Mitarbeiter der Träger und Lehrer die Schüler bei ihren Hausaufgaben. Der Minister hat jetzt über die Hälfte dieser Lehrerstunden gestrichen. Schüler und Eltern fühlen sich als die Gelackmeierten.

Erwartungen gehen auseinander

Man verlasse sich ja auch darauf, so Katja Oltmanns von der Landeselternvertretung, „dass da eine gewisse Hausaufgabenbetreuung stattfindet, die auch eine gewisse Qualität hat. Und wenn das jetzt nicht mehr durch Lehrer abgedeckt werden kann, weil die jetzt in den regulären Unterricht geschickt werden, dann sehe ich da schon ein Problem, gerade für die Kinder, die vielleicht da noch Unterstützung brauchen.“

Doch dieser Anspruch an die Hausaufgabenaufsicht entspreche nicht dem eigentlichen Auftrag, meint Anna Haßdenteufel. „Die freiwillige Ganztagsbetreuung ist nicht primär dazu da, dass die Kinder richtig gemachte Hausaufgaben mit nach Hause bringen. Das kann sie so, glaube ich, nicht leisten.“ Der Koalitionskrach und der Sparzwang treffen jedenfalls viele Schulen und machen ihre Arbeit schwieriger.

Über dieses Thema berichtet auch der „aktuelle bericht“ im SR Fernsehen vom 10.07.2019.

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