Eine Schulklasse ohne Lehrer (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)

Mehr Schulstunden und Inhalte für G9 gefordert

Mit Informationen von Julia Berdin   14.07.2022 | 20:15 Uhr

Bis zu den Sommerferien will die Landesregierung ihren Fahrplan für das neunjährige Gymnasium vorstellen. Was dort an Lerninhalten drinstecken soll, darüber haben am Donnerstag Hochschulprofessoren und Gymnasiallehrer diskutiert. Die Philologen fordern mehr Schulstunden und eine Fokussierung auf aktuelle Themen, für den Hochschulverband geht es um mehr Grundlagen.

Der Umstieg von G8 auf G9 – das bedeutet: ein Jahr mehr Zeit zum Lernen. Was auf der einen Seite Schülerinnen und Schüler vom Leistungsdruck entlasten und für mehr Freizeit sorgen soll, muss sich andererseits auch in der Qualität der schulischen Ausbildung niederschlagen – da sind sich die Gymnasiallehrkräfte des Saarländischen Philologenverbandes und die Wissenschaftler des Deutschen Hochschulverbandes einig.

Helms sieht Verbesserungsmöglichkeiten

Denn die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Studierenden von morgen. Volkhard Helms, Landesvorsitzender des Deutschen Hochschulverbandes, wünscht sich, dass die Schüler in Mathematik sicherer werden und manche von ihnen „vielleicht auch eine gehaltvollere Ausbildung bekommen, gerade in den Oberstufeninhalten“.

Video [aktueller bericht, 14.07.2022, Länge: 3:40 Min.]
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Außerdem brauche es, so Helms, eine Fokussierung auf Deutsch. „Das ist ein gewisses Manko, das wir beobachten, Texte lesen, verstehen und auch selbst Referate formulieren. Da gibt es durchaus Verbesserungsmöglichkeiten.“

Weniger Schulstunden als der Bundesschnitt

Aktuell verbringt ein Gymnasiast in der Sekundarstufe I im Saarland laut Kultusministerkonferenz 159 Wochenstunden in der Schule. Dabei handelt es sich um die aufgerechneten Stunden pro Woche über einen Zeitraum von fünf Jahren, also zurzeit für die Klassenstufen 5 bis 10.

Diese Stundenzahl wird mit G9 anwachsen. Momentan ist eine Erhöhung auf 180 Wochenstunden im Gespräch, verteilt auf sechs Jahre – weniger als im G9-Bundesschnitt.

„Wir sehen in den anderen Bundesländern, die uns voraus sind, Bayern beispielsweise und Nordrhein-Westfalen, dass die große Mehrheit der Schüler bedeutend mehr Unterricht erhält als unsere Schüler“, sagt Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbandes. „Eine Sparlösung des neunjährigen Gymnasiums können wir uns im Saarland einfach nicht leisten.“

Globalisierung und Digitalisierung im Fokus

Weil im kommenden Jahr Informatik ab Klassenstufe 7 zum Pflichtfach wird, wird auch das zusätzliche Stunden schlucken – Zeit, die woanders möglicherweise fehlt. Hier müsse genau abgewogen werden, heißt es vom Philologenverband.

Zudem müsse sich der Stundenplan im Gymnasium viel stärker an aktuellen Themen orientieren. „Wir brauchen einen Profilbereich für Globalisierung und Digitalisierung“, so Hahn. „Wir brauchen die Fächer Mehrsprachigkeit und Informatik bereits ab Klassenstufe 5. Und wir müssen das Thema Nachhaltigkeit im Bildungsgang des Gymnasiums fachlich verankern.“

Das, so Hahn, seien die Herausforderungen, vor denen die Schüler stehen. Hier müsse man ihnen auf den richtigen Weg helfen.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 14.07.2022 berichtet.

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