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Saarland soll Bordellwerbung verbieten

  08.03.2019 | 14:58 Uhr

Die saarländischen Frauenbeauftragten fordern ein flächendeckendes Werbeverbot für Bordelle im Saarland. Dazu hat die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Frauenbeauftragten eine Online-Petition gestartet. Die Frauenbeauftragten kritisieren, Bordellwerbung verschleiere die Realität des Gewerbes.

Studiogespräch: "Auf diesen Plakaten werden Frauen als Ware angeboten"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger / Carolin Dylla, 08.03.2019, Länge: 02:54 Min.]
Studiogespräch: "Auf diesen Plakaten werden Frauen als Ware angeboten"

LAG-Sprecherin Heike Neurohr-Kleer erklärte, Bordellwerbung wirke glamourös. Dabei seien Notlagen der in der Branche arbeitenden Frauen die Regel. Das Saarland habe die Chance, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es sei nicht akzeptabel, dass Frauen und Mädchen sexuell verfügbar und wie Ware dargeboten würden. Auch unter Jugendschutzaspekten sei Werbung für Bordelle äußerst bedenklich. Sie vermittele ein "fragwürdiges, unangenehmes Bild" vom Wirtschaftsstandort und Touristenziel Saarland. Die Frauenbeauftragte der Landeshauptstadt Saarbrücken, Katharina Kunze, ergänzte, Bordellwerbung sei, obwohl sie als störend empfunden werde, "allgegenwärtig".

Viel Unterstützung für Online-Petition

Zahlreiche saarländische Politiker und Politikerinnen unterstützen die Initiative, zum Beispiel Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), der Direktor des Regionalverbands Saarbrücken, Peter Gillo (SPD) und weitere Landrätinnen und Landräte.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Berg will prüfen, ob ein Verbot von Bordellwerbung juristisch möglich ist. Berg sagte dem SR, die Ergebnisse der Online-Petition dürften nicht nur Unterschriften auf dem Papier oder im Internet bleiben. Berg betonte, sie sei bereits mir den anderen Fraktionen im Landtag und mit den kommunalen Frauenbeauftragten im Gespräch. Auch die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol (Linke) warb für ein Verbot.

Juristinnen halten rasches Verbot für unwahrscheinlich

Nach Einschätzung des Saarländischen Juristinnenbunds wird eine Änderung allerdings länger dauern. Für ein flächendeckendes Verbot müsste erst geprüft werden, welche Gesetze geändert werden müssen.

In der Landesarbeitsgemeinschaft sind die Frauenbeauftragten von 17 saarländischen Städten, Kreisen und Gemeinden zusammengeschlossen. Sie haben ihre Petition für ein bordellwerbungsfreies Saarland am Weltfrauentag gestartet. Am 11. Oktober, dem "Weltmädchentag", sollen die gesammelten Unterschriften Landtagspräsident Stephan Toscani übergeben werden. Nach Angaben der Frauenbeauftragten haben mehrere deutsche Städte Bordellen Werbung untersagt. Als Beispiele nannten sie München, Trier und Köln.

Über dieses Thema wurde auch im "aktuellen bericht" vom 08.03.2019 berichtet.

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