Emmanuel Macron und Marine Le Pen (Foto: dpa)

Stichwahl: Wie wählt Lothringen?

  03.05.2017 | 16:28 Uhr

Heute entscheidet sich, wer in Frankreich künftig die Staatsgeschäfte führen wird. Der liberale Emmanuel Macron oder die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Die Frage stellt sich: Werden bei der Stichwahl die Franzosen in Lothringen ebenso stark für Le Pen stimmen wie beim ersten Wahlgang?

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass heute der liberale, europafreundliche Macron die Wahl gewinnen wird. Und doch: Mehr als ein Fünftel der Franzosen hat im ersten Wahlgang gezeigt, dass sie lieber Marine Le Pen an der Spitze des Landes sehen würden. Im Département Moselle waren es gut 28 Prozent. In manchen Gemeinden an der saarländisch-französischen stimmten sogar knapp 40 Prozent für die Rechtspopulistin.

"Le Pen hat die besten Ideen"

Warum sind es gerade die Menschen gerade in der Grenzregion, die den Front National wählen? "Wen ich wählen werde? Marine Le Pen. Sie hat die besten Ideen. Sie wird mehr verändern als alle anderen. Ich hab keine Lust, für einen Hollande 2.0 zu stimmen“, sagt ein junge Franzose, der im Park neben dem Casino in Saargemünd Boule spielt. Der liberale Kandidat Macron sei der Inbegriff jener politischen Elite, der er schon lange nicht mehr vertraue. Außerdem sei Macron eben nicht der Kandidat der Leute aus „seiner Klasse“, wie er sagt. Auch seine Freunde teilen diese Sicht: Mit Macron, dem Ex-Banker, werden sich die sozialen Gräben noch tiefer durch die französische Gesellschaft ziehen.

Hohe Wahlerfolge bei den Arbeitslosen

So wie diese fühlen sich derzeit viele junge Menschen in Frankreich und insbesondere in Grand Est: abgehängt und ohne Zukunft. Daher wird es für Macron und Le Pen im zweiten Wahlgang auch wichtig sein, diese Wählerschaft für sich zu gewinnen. Hier liegen die Vorteile allerdings klar beim Front National. Im ersten Wahlgang hatte Marine Le Pen etwa unter den Arbeitslosen den größten Erfolg, gefolgt von Jean-Luc Mélenchon. Auch bei den ganz jungen Wählern stimmten mehr für Le Pen als für Macron.

Warum holt Le Pen so viele Stimmen in Grand-Est?
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 03.05.2017, Länge: 02:57 Min.]
Warum holt Le Pen so viele Stimmen in Grand-Est?

Das sind zwei Wählergruppen, die in den ehemaligen Industrierevieren entlang der lothringisch-französischen Grenze überdurchschnittlich häufig vertreten sind. Hier gibt es viele junge Wähler - aber auch viele junge Arbeitslose. In Lothringen liegt die Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen bei über 25 Prozent.

Angst vor Terror

Neben der Frustration abgehängt zu sein, imponiert den jungen Franzosen nahe der Grenze auch die Abschottungspolitik Le Pens. „Wir führen Krieg gegen den Terrorismus. Irgendwann muss man da einfach was unternehmen. Die Grenzen dichtzumachen und alle rauszuschmeißen, die als Staatsgefährder aufgelistet sind – das find ich schon mal eine gute Idee. Das würde einiges an Schaden begrenzen“, sagt der junge Franzose. Dabei sei er kein Rassist, betont er. Er habe sogar muslimische Freunde, die Le Pen wählen. Aber es wird deutlich: Die Terroranschläge der Vergangenheit haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Zukunft empfinden sie vor allem als Bedrohung durch Terror und Gewalt – aber auch durch einen sozialen Zusammenhalt, der zunehmend bröckelt.  Noch sind sie überzeugt, dass Marine Le Pen daran etwas ändern wird, sollte sie Präsidentin werden.

Warum hat der Front National im Elsass so viele Unterstützer?
Audio [SR 2, (c) SR, 03.05.2017, Länge: 03:15 Min.]
Warum hat der Front National im Elsass so viele Unterstützer?
Am Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl für das Präsidentenamt statt. Trotz der Vorteile, die die Europäische Union für die Grenzregion hat, ist es durchaus möglich, dass die europafeindliche Marine Le Pen in einigen Gemeinden Lothringens und des Elsass vor dem liberalen Emmanuel Macron landet. Kerstin Gallmeyer war im Elsass und hat nachgefragt, warum Marine Le Pen dort so viele Unterstützer hat.

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