Emmanuel Macron und Marine Le Pen (Foto: dpa)

Macron und Le Pen erreichen Stichwahl

  24.04.2017 | 09:59 Uhr

Bei der Präsidentenwahl in Frankreich haben der Sozialliberale Macron und die Rechtspopulistin Le Pen die Stichwahl erreicht. Während frankreichweit Macron die Nase vorne hatte, erhielt in der Großregion "Grand Est" Le Pen die meisten Stimmen.

Wie das französische Innenministerium am frühen Morgen nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte, setzte sich der sozialliberale Ex-Minister Emmanuel Macron in der ersten Runde mit 23,86 Prozent durch. Die Europafeindin Marine Le Pen kam auf 21,43 Prozent. Anders als im Gesamtergebnis haben die Wähler in der neuen Region "Grand Est" abgestimmt. Hier liegt Front-National-Chefin Le Pen mit knapp 28 Prozent deutlich vor ihrem Hauptkonkurrenten Macron mit knapp 21 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei gut 78 Prozent. Beide Kandidaten treten damit in der Stichwahl am 7. Mai gegeneinander an. Der Konservative François Fillon und der sozialistische Kandidat Benoit Hamon räumten ihre Niederlage noch am Sonntagabend ein. Beide forderten die Franzosen auf, in der Stichwahl in zwei Wochen für Macron zu stimmen. Auch saarländische Politiker werben für Macron.

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Frankreich hat gewählt
Was bedeutet das Ergebnis der ersten Präsidentschaftswahl für Frankreich und für Europa? SR 1 Korrespondent Marcel Wagner in Paris gibt eine Einschätzung.

Europäer gegen Rechtspopulistin

Der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron ist überzeugter Pro-Europäer. Er sagte nach Bekanntwerden der Zahlen, die Franzosen hätten für eine Erneuerung gestimmt. Der 39-Jährige hatte angekündigt, neue Gesichter in die Regierung zu bringen. Sollte er gewählt werden, wäre er der jüngste französische Präsident.

Die rechtspopulistische Marine Le Pen will Frankreichs Bürger im Falle eines Wahlsieges über einen Verbleib in der EU abstimmen lassen. Sie hatte während des Wahlkampfes auch mit Anti-Islam-Parolen und einer strikten Einwanderungspolitik Stimmung gemacht. Ihren Einzug in die Stichwahl nannte sie ein "historisches Ergebnis". Es ist das erste Mal, dass kein Kandidat der etablierten Parteien in die Stichwahl gekommen ist.

Wahl im Ausnahmezustand

Zur Wahl aufgerufen waren fast 47 Millionen Staatsbürger. Die Präsidentschaftswahl fand unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen statt - rund 50.000 Polizisten und Gendarmen waren im Einsatz, ebenso rund 7000 Soldaten. Es war die erste Präsidentschaftswahl im Ausnahmezustand, der seit den Terroranschlägen im November 2015 gilt.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 23.04.2017 berichtet.

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