Deutsch-Französischen Grenze in Saarbrücken (Foto: imago images / HMB-Media)

Kein PCR-Test für Pendler nach Frankreich notwendig

mit Informationen von Lisa Huth und Bettina Rau   23.01.2021 | 21:08 Uhr

Frankreich verlangt von Reisenden aus anderen EU-Staaten ab Sonntag die Vorlage eines negativen Corona-PCR-Tests. Er muss innerhalb von 72 Stunden vor der Abreise gemacht worden sein. Ausnahmen gibt es unter anderem für Pendler. Sorgen bereitet allerdings die derzeitige Einreiseverordnung des Bundes.

Die Verpflichtung zu dem PCR-Test gilt laut Präsident Emmanuel Macron für alle Reisen nach Frankreich, die nicht "essenziell" sind. Nach Informationen des französischen Generalkonsulats in Saarbrücken brauchen folgende Gruppen keinen PCR-Test bei der Einreise vorzulegen:

  • Saarländerinnen und Saarländer, die wichtige familiäre Gründe haben. Das gilt auch für Paare oder getrennt lebende Eltern, die sich die Kinderbetreuung teilen.

  • Saarländerinnen und Saarländer, die in Frankreich einkaufen wollen.

  • Saarländerinnen und Saarländer, die medizinische Gründe (wie zum Beispiel einen Arztbesuch) haben, nach Frankreich zu fahren.

  • Pendler, die auf der anderen Seite der Grenze arbeiten.

  • Wer Frankreich nur durchquert, um etwa nach Spanien zukommen. Das gilt auch für den Transport von Waren.

Was gilt ab Sonntag für Einreisen nach Frankreich?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 23.01.2021, Länge: 01:32 Min.]
Was gilt ab Sonntag für Einreisen nach Frankreich?

Noch nicht geklärt ist das Thema Tagesausflüge. Da fordert der Forbacher Abgeordnete in der Pariser Nationalversammlung, Christophe Arend, eine Regelung wie es im Saarland üblich ist: Wer sich nicht länger als 24 Stunden in Lothringen aufhält, soll vom obligatorischen PCR-Test ausgenommen sein.

Arend meinte, seine Einkäufe machen sei in Ordnung, eine Shoppingtour aber nicht. Darauf wies auch Generalkonsul Sébastien Girard hin: Wegen der hohen Infektionszahlen werde allen davon abgeraten, nach Frankreich zu fahren. Wer dennoch fahre, müsse sich an die Regeln halten – Maske tragen und die Sperrstunde ab 18.00 Uhr akzeptieren.

Testpflicht bei Einreise nach Frankreich
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 22.01.2021, Länge: 01:59 Min.]
Testpflicht bei Einreise nach Frankreich

Die Grenzen selbst würden nicht kontrolliert werden, im Grenzraum aber könne es sehr wohl Kontrollen geben. In diesem Fall ist es für Pendler sinnvoll, eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers dabei zu haben. Weitere Details sollen am Sonntag über eine Verfügung aus Paris bekanntgegeben werden.

Briefverkehr mit Bund und EU

Derweil setzt sich die saarländische Landesregierung für die Aufrechterhaltung des kleinen Grenzverkehrs von deutscher Seite aus ein. Europaminister Peter Strobel (CDU) kritisierte in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Einreiseverordnung des Bundes. Dort seien bei der Einstufung von Gebieten mit hohen Corona-Inzidenzwerten keine Ausnahmen für Pendler oder Grenzgänger vorgesehen.

"Noch nicht mal die Behörden haben eine offizielle Information aus Paris bekommen"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger/Lisa Huth, 22.01.2021, Länge: 02:45 Min.]
"Noch nicht mal die Behörden haben eine offizielle Information aus Paris bekommen"

In der Folge könnte der gesamte kleine Grenzverkehr zum Erliegen kommen, so Strobel. Nach SR-Informationen sucht Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) wegen der neuen Regeln im Grenzverkehr das Gespräch mit dem französischen Europa-Staatssekretär Clément Beaune. Weitere Fragen will Hans mit einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) klären.

Neue Abstufung von Corona-Gebieten

PCR-Tests beim Grenzübertritt nach Frankreich: Was sagen die Menschen dazu?
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 22.01.2021, Länge: 03:06 Min.]
PCR-Tests beim Grenzübertritt nach Frankreich: Was sagen die Menschen dazu?

Aufgrund besonders hoher Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung ab Sonntag erstmals mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein, für die dann leicht verschärfte Einreiseregeln gelten. Dazu gehören unter anderem Tschechien, Portugal, Spanien, Ägypten sowie die USA.

Bisher hatte die Bundesregierung nur zwischen Gebieten mit besonders ansteckenden Virusvarianten und "normalen" Risikogebieten unterschieden. Jetzt gibt es drei Kategorien:

  • "Normale" Risikogebiete: Das sind Länder oder Regionen über einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Das gilt derzeit für fast ganz Europa mit Ausnahme einzelner Gebiete in Griechenland, Finnland, Norwegen, Österreich und Dänemark. Weltweit sind weit mehr als 100 Länder Risikogebiete.

  • Hochinzidenzgebiete: Das sind Länder mit deutlich höheren Infektionszahlen als in Deutschland. Dazu zählen in der Regel die Länder mit einem Inzidenzwert über 200 (Inzidenz in Deutschland: 115). Es können aber auch weitere Länder unter dieser Marke unter bestimmten Bedingungen zu "Hochinzidenzgebieten" erklärt werden.

  • Virusvarianten-Gebiete: Das sind Gebiete, in denen hochansteckende Varianten des Coronavirus aufgetreten sind. Bisher fallen Großbritannien, Irland, Südafrika und Brasilien in diese Kategorie.

Reisende aus "normalen" Risikogebieten müssen sich spätestens 48 Stunden nach Einreise in Deutschland auf Corona testen lassen. Zudem müssen sie zehn Tage in Quarantäne, können sich davon allerdings durch einen zweiten negativen Test ab dem fünften Tag vorzeitig befreien lassen.

Der Unterschied bei den Hochinzidenz- und Virusvarianten-Gebieten: Der Test muss bereits höchstens 48 Stunden vor Einreise erfolgen. Außerdem können die Ausnahmeregeln für die Quarantäne eingeschränkt werden. Das ist aber Sache der einzelnen Bundesländer.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 22.01.2021 berichtet.

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