Logo des Autoherstellers Ford (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Julian Meusel)

Frust der Belegschaft bei Ford Saarlouis wächst

Lars Ohlinger, Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Anne Staut   14.03.2022 | 15:35 Uhr

Ford hat Zukunftspläne für die Elektrifizierung seiner Modelle in Europa vorgestellt. Ab 2035 sollen nur noch Elektroautos gebaut werden, vorrangig in Köln. Ford Saarlouis kam nicht zur Sprache, der Frust der Belegschaft steigt. Die Kurzarbeit wird wohl verlängert.

Ab 2035 will der Autohersteller Ford in Europa ausschließlich Elektroautos bauen. Entsprechende Pläne wurden am Montag vorgestellt. Der Tag sei ein Schlüsselmoment in der Geschichte von Ford in Europa, sagte der Ford-Europachef Stuart Rowley am Montagvormittag.

Bis 2024 sollen drei neue Elektro-Pkw und vier neue Elektro-Nutzfahrzeugmodell in Europa gebaut und angeboten werden. Ab 2026 will Ford jährlich mehr als 600.000 Elektrofahrzeuge in Europa verkaufen.

Ford stellt Zukunftspläne vor
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege (c) SR, 14.03.2022, Länge: 00:59 Min.]
Ford stellt Zukunftspläne vor

Zusätzliche Milliarde für Ford Werk in Köln

Von der schnelleren Elektrifizierung profitiert vor allem das Ford Werk in Köln. Hier will Ford zwei Milliarden Dollar einbringen, um zwei E-Automodelle auf den Markt zu bringen. Das erste Modell soll ab 2023 verkauft werden, ein weiteres E-Modell dann ab 2024.

Damit verdoppelt Ford seine bisher angekündigten Investitionen in Köln. Bisher waren nur der Bau eines Modells und Investitionen von einer Milliarde Dollar bekannt. Mit dem Geld soll zudem der Aufbau einer Anlage zur Montage von Fahrzeugbatterien finanziert werden. Mit der Produktion will man 2024 starten.

E-Modelle für Rumänien und Batteriewerk in der Türkei

Zusätzlich zu den beiden Elektromodellen aus Köln, plant Ford die Produktion eines rein elektrischen Modells des SUV Ford Puma ab 2024 sowie mittelgroße und große Lieferwagen mit Elektroantrieb. Deren Produktion soll sich auf Rumänien konzentrieren.

Das Werk in Craiova soll eine wichtige Rolle innerhalb der Wachstumspläne spielen, heißt es bei Ford. Darüber hinaus teilte das Unternehmen mit, dass es gemeinsam mit einem Partner in der Türkei eines der größten Werke in Europa für den Bau von Batterien für Nutzfahrzeuge errichten will.

Ford Saarlouis wird nicht erwähnt

Das Ford Werk Saarlouis spielte keine Rolle bei der Präsentation, auch nicht das am Standort gebaute Focus-Modell. Ebenso wenig wurde der Ford Standort Valencia erwähnt.

Nach wie vor gilt, dass die Entscheidung über die Zukunft des Werkes in Saarlouis erst im Sommer fallen soll.

Betriebsrat: Frust in der Belegschaft ist groß

Die Ankündigungen von Ford Europa seien für die Beschäftigten in Saarlouis mehr als nur ernüchternd, so der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal. Wieder einmal sei das Werk leer ausgegangen.

Der Frust in der Belegschaft werde von Tag zu Tag größer. Dies habe man bei der Betriebsversammlung am Montag deutlich gemerkt. Grundsätzlich bewertete Thal die Entscheidungen des Ford-Managements aber nicht als eine Entscheidung gegen Saarlouis.

Gut sei, dass Ford bei der Elektrifizierung nun einen großen Schritt nach vorne mache. Davon müssten aber alle Standorte in Europa profitieren, auch Saarlouis und auch Valencia.

Kurzarbeit in SLS wird wohl verlängert

In den kommenden drei Monaten werde man weiter über die Zukunft des Saarlouiser Werks verhandeln, so Thal weiter. Nach wie vor rechne man mit einer Entscheidung Ende Juni.

Das Werk in Saarlouis befindet sich aktuell in Kurzarbeit. Diese werde wohl vorerst weitergehen, so der Betriebsratsvorsitzende. Der Antrag für die kommende Woche liege vor. Zusätzlich zu den Lieferprobleme bei den Halbleitern, gebe es nun aufgrund des Kriegs in der Ukraine weitere Lieferschwierigkeiten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 14.03.2022 berichtet.

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