Luftaufnahme: Ford Werk Saarlouis (Foto: SR)

Ford Saarlouis stoppt Produktion

Karin Mayer   15.01.2021 | 15:58 Uhr

Das Ford-Werk in Saarlouis stoppt erneut die Produktion. Ab kommenden Montag sollen die Bänder stillstehen. Darüber hat das Unternehmen am Donnerstag die Belegschaft informiert. Der Produktionsstopp wirkt sich auch auf die Zulieferer aus.

Die Hersteller der Elektronik-Chips haben Lieferprobleme. Deshalb kann das Fordwerk keine Autos mehr bauen. Weil immer mehr Elektronik in den Autos verbaut wird, fehlen größere Chips, die beispielsweise für den Focus gebraucht werden.

Viele Autobauer betroffen

Werkleiter Jürgen Schäfer sagte dem SR, man habe alles versucht, um Module für die Motorsteuerung oder auch für Abstandhalter zu bekommen. Doch der Markt sei leergefegt. Darunter litten derzeit viele Autohersteller.

Fünf Wochen Kurzarbeit

Für Ford in Saarlouis heißt das: Nach nur einer Woche wird das Werk wieder stillgelegt. Erst am 22. Februar soll die Produktion wieder anlaufen, so Schäfer. Es sei ein Desaster für das Werk und eine zusätzliche Belastung in der Corona-Pandemie. Die rund 5000 Mitarbeiter werden für fünf Wochen in Kurzarbeit geschickt.

Zulieferer leiden mit

Auch die Zulieferer sind vom Produktionsstopp betroffen. Denn wenn keine Autos gebaut werden, haben auch die Mitarbeiter der Zulieferer nichts mehr zu tun. Daher gehen auch die Unternehmen im Ford Industrial Supplier Park in Saarlouis ab Montag in Kurzarbeit. Die Betriebsräte der Zulieferer haben bis zum Freitagnachmittag Vereinbarungen mit den Unternehmen ausgehandelt.

Lars Desgranges von der IG Metall Saarlouis sagte dem SR, fast alle Zulieferer seien bereit, das Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten aufzustocken. Das sei eine wichtige Botschaft für die rund 2000 Mitarbeiter der Zulieferer. Das Kurzarbeitergeld von 60 Prozent sei eben nur ein Notnagel.

Ford Saarlouis stoppt Produktion
Audio [SR 3, Karin Mayer, 15.01.2021, Länge: 03:06 Min.]
Ford Saarlouis stoppt Produktion

Ford-Betriebsratsmitglied Holger Michel sagte dem SR, die Engpässe seien für das Fordwerk Saarlouis überraschend gekommen. Es handele sich um Zulieferer in zweiter oder dritter Reihe, die Chips für Steuerungsmodule lieferten. Beim Focus seien davon mehrere Module betroffen. Die Produktion des Ford Fiesta in Köln sei indes nicht von diesem Engpass betroffen, so Michel. Im Fiesta würden kleinere Computerchips verbaut, die derzeit noch verfügbar seien. 

Erneuter Stopp dämpft Hoffnungen

Das Werk habe versucht, den Stillstand zu vermeiden und die Module über andere Hersteller zu beziehen. Das sei nicht gelungen, denn es handle sich um ein globales Thema. Bei den Chips gebe es eine enorme Konkurrenz mit der Unterhaltungsindustrie.

In der Corona-Pandemie sei Unterhaltungselektronik stark gefragt. Dadurch sei ein Engpass bei den Halbleitern entstanden. Dem SR sagte Michel weiter, man habe die Hoffnung gehabt, dass 2021 ein besseres Jahr werde. Der neue Stillstand sei allerdings ein Dämpfer. In den kommenden Wochen werde das Unternehmen versuchen, die nötigen Module zu bekommen. Ob das gelinge, sei offen.

Der Engpass bei den Chip-Herstellern zeige, wie stark die Autoindustrie von ausländischen Anbietern abhängig sei, so Lars Desgranges von der IG Metall Saarlouis. Eine Lehre der Corona Pandemie sei deshalb auch, dass Lieferketten rund um den Globus nicht immer Sinn machen würden. Es sei nötig, dass es eine Grundversorgung von wichtigen Materialien auch in Europa gebe.

Die Engpässe bei der Halbleiterherstellung beeinträchtigen derzeit die gesamte Autoindustrie. Nicht nur Ford, auch Daimler, VW, Honda, Hyundai und Opel sind von dem Engpass betroffen und müssen die Produktion drosseln.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.01.2021 berichtet.

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