Luftaufnahme: Ford Werk Saarlouis (Foto: SR)

Ford-Werk setzt bei Nebelscheinwerfern auf Roboter

Daniel Dresen   28.05.2020 | 08:56 Uhr

Im Ford-Werk in Saarlouis kommen acht kollaborierende Roboter zum Einsatz, die Nebelscheinwerfer einstellen. Durch diese Maßnahme sollen Produktionsprozesse effizienter und Mitarbeiter körperlich entlastet werden.

Seit 2018 vertrauen die Verantwortlichen im Ford-Werk Saarlouis die Einstellung von Nebelscheinwerfern in der Endmontage acht kollaborierenden Robotern, sogenannten Cobots, an.

Roboter aus Augsburg

Die Cobots des Augsburger Herstellers Kuka arbeiten in Saarlouis vollautomatisch direkt neben dem Ford-Mitarbeiter. Mit einem kleinen Inbusschlüssel stellt der Cobot den Nebelscheinwerfer ein, während sich der Mitarbeiter zeitgleich um den Hauptscheinwerfer kümmert.

Keine Einzäunung nötig

Um für den Mitarbeiter für körperliche Entlastung zu sorgen, arbeitet der Roboter in einer für den Mitarbeiter ergonomisch ungünstigen Position, wenige Zentimeter über dem Boden. "Feinste Sensorik ermöglicht ganz ohne Einzäunung des Roboters das Hand-in-Hand-Arbeiten zwischen Mensch und Cobot", sagt Ford-Sprecher Marko Belser. Eine im Cobot verbaute Kamera und ein Lasertaster machen dies möglich.

37 Kilogramm schwer

Ein Cobot im Ford-Werk Saarlouis wiegt 37 Kilogramm, verfügt über sieben Achsen und kann sieben Kilogramm Traglast stemmen. Angesprochen auf mögliche Kinderkrankheiten der neuen Technik, erklärt Belser, dass die Cobots bei Ford "sehr gut funktionieren". Aus Wettbewerbsgründen möchte Ford keine Auskunft über die Anschaffungskosten geben.

Ohne einen menschlichen Mitarbeiter an seiner Seite wäre der Cobot jedoch nicht einsatzfähig. "Beide arbeiten zeitgleich an derselben Station im Produktionsprozess. Zudem benötigen wir Prozess- und Produktionsingenieure sowie IT-Spezialisten, die den Cobot programmieren und ihn optimal in den Produktionsprozess integrieren", betont Belser.

Jobs in der IT

Die Cobots in Saarlouis übernehmen also nur einen von vielen Arbeitsschritten, die zuvor ein Mitarbeiter übernehmen musste. "Das beschleunigt den Ablauf an dieser Station und macht damit den Produktionsprozess effizienter", sagt Belser. Grundsätzlich könne durch den Einsatz von Robotern Personal im Fertigungsprozess eingespart werden. "Aber dafür entstehen neue Jobs in der Instandhaltung, in der IT und bei den Produktions- und Prozessingenieuren", erklärt der Ford-Sprecher.

Menschliche Intelligenz gefragt

Grundsätzlich nehme die Bedeutung von digitalisierten Prozessen und Anwendungen in der Produktion zu. "Die bei uns eingesetzten Cobots sind Stand der Technik in der Autoproduktion. Die Einsatzmöglichkeiten und Fähigkeiten künftiger Cobot-Generationen werden mit Sicherheit vielfältiger", so Belser. Doch der Ford-Sprecher beruhigt: "Auch langfristig ist im Automobilbau menschliche Intelligenz, Fingerspitzengefühl und Fingerfertigkeit unerlässlich und kann nicht durch künstliche Intelligenz einfach ersetzt werden."

Neues Transportsystem ein Thema

Im Ford-Werk in Köln, wo die Mitarbeiter schon seit 2016 mit Cobots in der Endmontage des Federbeins arbeiten, ist der Hersteller in Sachen Digitalisierung noch einen Schritt weiter. Hier setzt Ford im Rohbau auf autonom fahrende Transportsysteme. Der Einsatz dieser Systeme werde im Werk Saarlouis gerade geprüft, verrät Belser.

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