Das Ford-Werk in Saarlouis (Foto: SR/Alexander M. Groß)

Ford-Betriebsrat sieht "Hinhaltetaktik" des Managements

Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Sandra Schick   04.05.2022 | 18:28 Uhr

Sollte Ford Saarlouis keine Zusage für die Produktion des E-Modells bekommen, muss das nicht die Schließung des Standorts bedeuten - das zumindest sagt Europa-Chef Rowley. Der Saarlouiser Betriebsrat aber hat große Zweifel an dieser Aussage und spricht von "Hinhaltetaktik".

Die Entscheidung, welcher Standort künftig ein E-Auto von Ford produziert - ob Saarlouis oder Valencia - wird Ende Juni fallen. Das hat Ford-Europa-Chef Stuart Rowley noch einmal in einem Brief an die Betriebsräte betont.

Eine weitere Aussage dieses Briefes sorgte dann allerdings für Aufsehen: Rowley sagte, die Entscheidung, welcher Standort künftig die E-Autos von Ford produziert, sei nicht gleichzeitig eine Entscheidung über die Schließung des anderen Werkes.

Ford-Betriebsrat: "Die sollen verstehen: Es geht auch anders"
Audio [SR 3, (c) SR Nadine Thielen , 04.05.2022, Länge: 04:36 Min.]
Ford-Betriebsrat: "Die sollen verstehen: Es geht auch anders"

Ford suche „aktiv“ nach einer möglichen Folgenutzung für den Verlierer-Standort. Dafür brauche es aber auch die Unterstützung der lokalen und nationalen Regierungen. Ob das aber tatsächlich den Erhalt des Werkes bedeutet, ist jedoch offen.

Betriebsrat sieht "Hinhaltetaktik"

Für den Betriebsratsvorsitzenden von Ford Saarlouis, Markus Thal, ist diese Aussage „Hinhaltetaktik“. Rowley solle doch einfach sagen, was das konkret bedeutet, so Thal. Das Management wisse seit Jahren um die Situation. Es gebe derzeit keine bekannte Alternativnutzung für den Standort, der das Bieterduell verliere.

Politik soll endlich aktiv werden

Zudem fordert Thal die neue Ministerpräsidentin Anke Rehlinger auf, zu Ford in die USA zu fliegen. Dorthin nehme sie am besten gleich Bundeskanzler Scholz und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen mit. Solidaritätsbekundungen würden nicht mehr helfen, so Thal, die Politik müsse aktiv werden und alles für den Erhalt der Arbeitsplätze hier in Deutschland tun.

Am Mittwoch wurden die Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand der Verhandlungen im Bieter-Wettbewerb mit dem Werk im spanischen Valencia informiert. Laut Thal ist der Prozess "schwierig, aber noch nicht beendet".

Über dieses Thema berichtet auch die SR 3 Rundschau am 04.05.2022.

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