Holger Hermanns, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes (Foto: Oliver Dietze/Pressefoto)

Millionenförderung für Saar-Informatik

mit Informationen von Florian Possinger   05.12.2022 | 21:04 Uhr

Die Informatik der Universität des Saarlandes erhält rund acht Millionen Euro für den Forschungsbereich "Verständliche Softwaresysteme". Ziel ist es, Ursachen für Fehlfunktionen von Computerprogrammen deutlich schneller zu erkennen.

Im März 2018 erlangte ein Verkehrsunfall in den USA traurige Berühmtheit. Eine Fußgängerin wurde von einem selbstfahrenden Auto erfasst und getötet.

Erst Wochen später konnten Experten die Ursache benennen: Zwar hatten die Sensoren des Fahrzeuges die Frau erkannt, der Bordcomputer hatte die Meldung jedoch als falsch eingestuft. Der verantwortliche Betreiber des Autos "Uber" stoppte damals alle Testfahrten bis der Fehler gefunden wurde.

Fehler schnell beheben

Wenn ein solcher Unfall passiert, ist es wichtig, schnell zu verstehen, warum sich das Softwaresystem so verhalten hat, erklärt Informatikprofessor Holger Hermanns von der Saar-Uni. Dadurch könnten andere Fahrzeuge schneller angepasst werden. Das sei auch für die Zukunft von Bedeutung.

"Der weltweite Digitalisierungsgrad nimmt täglich zu, unser Leben wird immer stärker durch Informationstechnologie bestimmt. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, denken Sie nur an die ‚Smart Cities‘ der Zukunft, in denen vernetzte Autos selbstständig den Verkehr regeln, oder in denen Künstliche Intelligenzen bestimmen, mit wem welche Stelle besetzt wird, wer welchen Krankenkassen-Beitrag zahlen muss oder wer einen Kredit bekommt und wer nicht", so Hermanns.

Video [aktueller bericht, 05.12.2022, Länge: 2:55 Min.]
Saar-Informatik erhält acht Millionen Euro Fördergeld

Verhalten von Programmen erklärbar machen

Um Software-Probleme verständlicher zu machen, gibt es an der Informatik einen Sonderforschungsbereich. Hier wird Grundlagenforschung dafür betrieben, Computerprogramme und ihr Verhalten in Zukunft leichter erklären zu können.

So könnte in Zukunft zum Beispiel nicht einfach nur ein Warnlämpchen im Auto angehen, sondern eine genaue Beschreibung, wo das Problem liegt und wie es zu lösen ist.

Das Auto dient dabei jedoch nur als Beispiel, da die Software dort immer auch Fragen der Sicherheit betrifft. Die Forschung insgesamt soll jedoch auf alle Computerprogramme anwendbar werden.

13 Millionen Fördergeld für Saar-Uni und TU Dresden

Der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist diese Arbeit für die federführenden Hochschulen, der Universität des Saarlandes und der TU Dresden insgesamt 13 Millionen Euro Fördergelder wert. Acht Millionen davon wird die Informatik der Saar-Uni erhalten.

Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 05.12.2022 im SR Fernsehen berichtet.


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