Flieger der US Air Force (Foto: dpa)

"Bouillon redet über statt mit uns"

  07.06.2017 | 12:55 Uhr

Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm weist die Kritik von Innenminister Bouillon von sich, mit manipulierten Zahlen zu hantieren. Man habe versucht, das hohe Flugaufkommen transparent zu machen. Bouillon verweigere zudem ein Gespräch mit der Bürgerinitiative.

Die Kritik von Innenminister Klaus Bouillon an der Bürgerinitiative gegen Fluglärm war ungewöhnlich scharf: Manipulierte Zahlen, auffällig viele Beschwerden und sogar persönliche Beleidigungen warf der CDU-Politiker den Fluglärm-Gegnern vor. Die weisen die Kritik von sich. "Unserer Wahrnehmung nach beschweren sich deutlich mehr Leute im Saarland als wir Mitglieder in der BI haben. Wir bemühen uns zudem um einen sachlichen Ton", sagte Holger Marzen von der Bürgerinitiative.

Zweite Messgröße etabliert

Mit Blick auf den Vorwurf gefälschter Zahlen sagte Marzen, im Saarland gebe es eine einmalige Verlärmung von zehn Kampfjets gleichzeitig. "Das ist eine Spezialität der Amerikaner. Und wir haben überlegt, wie wir transparent machen können, dass in anderen Übungslufträumen zwei oder drei Kampfjets fliegen und bei uns zwölf." Man habe daher eine zweite Messgröße etabliert und in einer zusätzlichen Statistik alle Flugminuten zusammengezählt. So sei man auf 360 Flugstunden gekommen. Das Bundesverteidungsministerium hatte lediglich rund 80 Flugstunden pro Monat angegeben.

"Bouillon reagiert nicht"

Auch die Kritik, die Bürgerinitiative führe einen ideologischen Kampf gegen Bundeswehr und NATO, weist Marzen von sich. "Wir haben keinen politischen Auftrag. Wenn wir die US-Basen anprangern, dann weil sie Lärm machen und die Luft verseuchen." Man suche schon seit geraumer Zeit das Gespräch mit Innenminister Bouillon. Der reagiere aber nicht. "Er redet lieber über die Bürgerinitiative statt mit ihr. Er nimmt das Gesprächsangebot nicht an und es gehört zu guter politischer Arbeit, dass man beide Seiten anhört."

Tressel für Dialog

Der saarländische Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel forderte Bouillon auf, den Dialog mit der Initiative zu suchen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass auch nach den Zahlen des Ministers mit 83 Flugstunden im Januar 2017 mehr anfielen als im Vorjahresmonat. Im Januar 2016 waren es 60 Flugstunden. Ein vorübergehender Rückgang im Herbst des vergangenen Jahres sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass das US-Geschwader aus Spangdahlem im Einsatz war.

Über dieses Thema wurde auch in der Region vom 07.06.2017 berichtet.

Artikel mit anderen teilen