Flieger der US Air Force (Foto: dpa)

Wieder mehr Fluglärm über dem Saarland

Christoph Grabenheinrich / Onlinefassung: Axel Wagner   13.12.2019 | 19:44 Uhr

Der Fluglärm über dem Saarland hat 2019 zum dritten Mal in Folge zugenommen. 860 Stunden lang wurde die militärische Übungszone TRA Lauter genutzt. Das hat die Bürgerinitiative gegen Fluglärm erfasst. Der Ärger ist groß, Besserung ist aber nicht in Sicht.

Besinnliche und ruhige Tage in der Vorweihnachtszeit? Für Peter Krächan aus Illingen fallen die wieder mal aus. Gegen 9.30 Uhr donnern die ersten F-16 der US-Luftwaffe über sein Haus, zwischendrin gibt es noch eine kurze Stippvisite der belgischen Luftwaffe. Dabei ist es heute noch relativ ruhig, die Maschinen sind nur bis mittags in der Luft, eher eine Ausnahme.

Video [aktueller bericht, 13.12.2019, Länge: 3:46 Min.]
Mehr Fluglärm im Saarland

Lärm bis in die Nacht

Video [aktueller bericht, 13.12.2019, Länge: 3:06 Min.]
Fluglärm: „Spielplatz für Kampfpiloten“
Im Gespräch mit dem aktuellen bericht hat Christoph Grabenheinrich die Situation des steigenden Fluglärmes im Saarland erklärt. Er erklärte, das Problem der fehlenden Unterstützung auf Landesebene und des Gewohnheitsrechts habe sich in den vergangenen Jahren entwickelt, auch in Rheinland-Pfalz.

Der Lärm zerrt an den Nerven. „Wenn ich draußen zum Beispiel in meinem Garten arbeite, gehe ich manchmal rein, weil es gar nicht mehr zum Aushalten ist“, sagt Krächan. Nachmittags, über Mittag und besonders abends sei der Lärm belastend. „Das ging manchmal bis nach 22.00 Uhr. Man hat dann auch schon gesundheitliche Probleme, der Blutdruck steigt. Und man ist auch immer verärgert, man ist ja wehrlos. Man ist diesem Lärm wehrlos ausgeliefert.“

Und der hat erneut zugenommen. Das belegen die Aufzeichnungen der Bürgerinitiative gegen Fluglärm. 860 Stunden wurde die militärische Übungszone bereits genutzt, meist von mehreren Maschinen gleichzeitig. Die Bilanz: traurig.

Sieben Prozent Steigerung

Etwa sieben Prozent mehr Nutzungsstunden, ein höherer Anteil der Abendverlärmung, mehr Überschallknalle, resümiert Holger Marzen von der Bürgerinitiative. „Und die Bundeswehr hat sich von den Amerikanern die sogenannten ‚Rudelverlärmungen‘ abgeschaut. Das heißt, da treffen sich Geschwader aus ganz Deutschland, kommen zu uns und lärmen.“ Zuletzt habe es am 3. Dezember eine Abendbetankung mit Geschwadern aus ganz Deutschland gegeben. Alle Geschwader bis auf eines seien dabei gewesen.

Der meiste Fluglärm geht erneut auf das Konto der US-Streitkräfte. Vor allem Kampfjets aus Spangdahlem nutzen die Flugzone ausgiebig. Alle Versuche, das zu ändern, hätten bislang nicht gefruchtet, so die Bürgerinitiative.

„Man lässt uns im Stich“

Die Regierung ducke sich weg, ärgern sich Betroffene wie Krächan. „Man lässt uns im Stich und opfert uns auf dem Altar des Militärs. Die dürfen hier anscheinend treiben, was sie wollen.“ Den Bürgern, so Krächan, mache man mit Blick auf Lärm und Klima alle möglichen Vorschriften. „Aber das Militär darf hier machen, was es will – Lärm zu jeder Tageszeit bis in die Nacht.“ Außerdem sei der CO2-Ausstoß der Kampfjets sehr hoch. „Da stört sich keiner.“

Die Kampfjets seien beängstigend, im Fall eines Absturzes gar eine Lebensbedrohung. Die Bürgerinitiative drängt weiter auf eine gerechtere Verteilung des Fluglärms auf alle acht deutschen Übungszonen. Dazu müsse die hiesige Nutzungsdauer gedeckelt werden.

BI fordert Begrenzung

Holger Marzen schweben dabei Betriebszeiten von höchstens 400 Stunden in TRA Lauter vor. „Dann wären die Geschwader verpflichtet, auch mal ein bisschen die Verhältnismäßigkeit zu überdenken. Sie wären verpflichtet, auch mal andere Übungslufträume zu nutzen. Und es wäre für ausländische Streitkräfte auch nicht mehr so einfach, ihren Lärm zu uns zu exportieren.“

Solange die US-Luftwaffe aus Spangdahlem die militärische Flugzone fast für ihren gesamten Regelübungsbetrieb nutzt, ändert sich aber erstmal nichts.  

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 13.12.2019 berichtet.

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