Das Rollfeld am Flughafen Saarbrücken-Ensheim (Foto: Imago/BeckerBredel)

Hohe Nachfrage nach Inlandsflügen von Saarbrücken-Ensheim

Martina Kind   14.08.2022 | 19:16 Uhr

Bis zu dreimal täglich heben Flugzeuge von Saarbrücken-Ensheim Richtung Berlin und Hamburg ab. Mit der Nachfrage ist der Flughafen sogar so zufrieden, dass perspektivisch ein Ausbau des Angebots innerdeutscher Verbindungen geplant ist. Das Umweltministerium befürwortet das – trotz der Debatte um nachhaltige Mobilität.

Inlandsflüge stehen massiv in der Kritik, denn Fliegen gilt als klimaschädlichste Art zu reisen – und gerade eher kürzere Strecken lassen sich eigentlich auch unkompliziert mit der Bahn oder dem Bus bestreiten. Eigentlich. Im Saarland ist das nämlich nicht so einfach.

Viele Saarländerinnen und Saarländer wählen noch immer lieber das Flugzeug, wenn sie nach Berlin oder Hamburg reisen wollen. Während das Angebot innerdeutscher Flüge nach einer Auswertung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) vielerorts reduziert wurde, denkt der Flughafen Saarbrücken-Ensheim (SCN) indes sogar über einen Ausbau nach.

Hohe Nachfrage nach Inlandsflügen

So bewiesen die aktuellen Zahlen, dass die Direktflüge von Saarbrücken Richtung Berlin und Hamburg nach den vergangenen beiden Corona-Jahren wieder stark gefragt seien.

Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Passagierzahlen auf der Berlin-Strecke in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr als verdoppelt, berichtet der Flughafensprecher Ludwin Vogel – von rund 5800 auf 11.000. "Auf der Hamburg-Verbindung ist die Passagierzahl für das gesamte Jahr 2021 auf rund 2500 gesunken. Diese Zahl wurde in diesem Jahr bereits nach den ersten sieben Monaten 2022 wieder erreicht."

Bis zu dreimal täglich heben die Maschinen von dem kleinen Flughafen Saarbrücken-Ensheim nach Berlin und Hamburg ab. Für den Wirtschaftsstandort Saarland und "mit Blick auf die große Entfernung bei gleichzeitig mäßiger Bahnverbindung" seien beide Verbindungen unerlässlich. "Der SCN ist sicher, angesichts steigender Fluggastzahlen beide Verbindungen dauerhaft aufrechterhalten und perspektivisch auch noch weiter ausbauen zu können."

Ginge es nach Vogel, käme zudem noch eine Direktverbindung nach München hinzu. Angesichts einer zu geringen Nachfrage, starker Einschränkungen des innerdeutschen Verkehrs seitens der Airlines und zahlreicher Insolvenzen kleinerer Fluggesellschaften sei dies allerdings "kaum vorstellbar".

Umweltministerium befürwortert Inlandsflüge

Wie bewertet das saarländische Umweltministerium die Pläne des Flughafens, perspektivisch noch mehr innerdeutsche Kurzstreckenflüge anzubieten – gerade vor dem Hintergrund der Debatte um den Klimaschutz und um nachhaltige Mobilität?

Offenbar steht man diesen positiv gegenüber: So lange "konkurrenzfähige Alternativen" im Saarland fehlten, seien die angebotenen Inlandsflüge unverzichtbar, wie eine Sprecherin des Umweltministeriums auf SR-Anfrage mitteilt.

Zwar gebe es Verbindungen der Bahn nach Berlin und Hamburg, in die Bundeshauptstadt einmal täglich auch auf direktem Wege. Umfragen hätten jedoch ergeben, dass die Bahn erst dann konkurrenzfähig sei, wenn die Reisezeit unter drei Stunden liegt, so die Sprecherin. "Aktuell dauern Bahnreisen nach Berlin oder Hamburg ab Saarbrücken jeweils über sechs Stunden."

Dass es keine konkurrenzfähige Alternative gibt, ist allerdings nicht zuletzt der Bahnpolitik der vergangenen Jahrzehnte zu verdanken. Und wirklich etwas in Bewegung gesetzt hat nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) auch die neue SPD-geführte Landesregierung bislang nicht.

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