Abschiebung von Flüchtlingen am Flughafen (Foto: SR)

Flüchtlingsrat gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Barbara Spitzer / Onlinefassung: Axel Wagner   14.03.2019 | 19:46 Uhr

Wie sicher ist Afghanistan? Kann man Flüchtlinge dorthin abschieben? Fast täglich wird das Land von Bombenanschlägen erschüttert. Dennoch werden seit 2017 wieder Geflüchtete nach Afghanistan abgeschoben. Der Flüchtlingsrat spricht sich deutlich dagegen aus.

Saarlouis-Roden, Treppenstraße 4: Hier hat Arif S. zuletzt gewohnt, hatte Deutsch gelernt und Arbeit gefunden. Flüchtlingshelferin Margit Jaeger-Engstler hat dem Afghanen dabei geholfen. Arif S. träumte davon Frau und Sohn nachzuholen. Doch am 8. Januar kam alles anders. „Wenn ich mir vorstelle, dass ihn hier acht Polizisten herausgenommen und an Handfesseln abgeführt haben, dann bin ich nicht nur traurig, sondern auch recht betroffen und erschreckt“, sagt sie.

Video [aktueller bericht, 14.03.2019, Länge: 3:38 Min.]
Flüchtlingsrat gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Arif S. wurde mit einem Sammelflug von München nach Kabul abgeschoben. Sein Asylantrag war abgelehnt worden, er war damit formal ausreisepflichtig. Die Abschiebung trotz prekärer Sicherheitslage ist für die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin unbegreiflich. „Man sieht nicht den Flüchtling, den Afghanen. Es ist der Mensch, der hier versucht Wurzeln zu finden und so sympathisch und voller Hoffnung war.“

„Für ihn war es nicht zu fassen“

Laut Innenministerium war Arif S. einer von fünf Afghanen, die seit 2018 aus dem Saarland abgeschoben worden sind.  Drei waren Straftäter, einer Identitätsverweigerer, und einer allgemein ausreisepflichtig. Was bei Arif S. ausschlaggebend war, teilt die Behörde aus Datenschutzgründen nicht mit.

„Für ihn war es nicht zu fassen“, sagt Jaeger-Engstler. „Er hatte einen Arbeitsvertrag in der Tasche, bis Ende November 2019. Er weiß nicht, was er falsch gemacht hat, er fragt mich, was hab ich falsch gemacht, was kann man noch tun.“

Flüchtlingsrat ist alarmiert

Ein Fall, der auch den Flüchtlingsrat alarmiert. Er fordert einen Abschiebestopp und befürchtet, dass nun auch das Saarland vermehrt unbescholtene und gut integrierte Afghanen abschiebt – zusätzlich zu Straftätern, Identitätsverweigerern und Gefährdern.

„Das war der Türöffner“, ist sich Jaeger-Engstler sicher, „um die Menschen in Deutschland davon abzuhalten, sich gegen Abschiebung zu wehren. Inzwischen ist es so, dass auch Menschen, die nicht zu diesen drei Gruppen gehören, abgeschoben werden.“

Margit Jaeger-Engstler ist als Erinnerung an den 24-Jährigen nur sein Deutsch-Lexikon geblieben. Anfangs hatte sie immerhin noch über Handy Kontakt zu ihm. „In Afghanistan heißt es, nur Straftäter kommen zurück, und genau so war es auch. Er wurde von seiner Familie nicht mit offenen Armen aufgenommen, er wurde dort versteckt.“

Am 22. Februar ist der Kontakt zu Arif S. abgerissen. Was ihm seither passiert ist, bleibt für sie quälende Ungewissheit.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ im SR Fernsehen vom 14.03.2019 berichtet.

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