Kraftwerk Ensdorf (Foto: Alexander M. Groß/SR)

"Flächenversiegelung ist problematisch"

Melina Miller   28.03.2021 | 08:35 Uhr

Der Naturschutzbund NABU hat die fortgeschrittene Flächenversiegelung im Saarland kritisiert. Das Wirtschaftsministerium hatte kürzlich angekündigt, weitere Flächen für die Industrie nutzbar zu machen und hält den Plan für vereinbar mit dem Naturschutz.

Zehn Prozent der Flächen im Saarland sind nach Angaben des saarländischen Innenministeriums bereits versiegelt, das heißt, mit Bauwerken, Straßen oder ähnlichem bedeckt. Von Flächenversiegelung wird deshalb gesprochen, weil in den Boden von oben kein Niederschlag mehr eindringen kann und so viele der dort normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt werden. 

Täglich kommen im Saarland rund 0,2 Hektar Fläche hinzu, die auf diese Weise verbraucht werden. Bundesweit sind es 56 Hektar pro Tag. Eigentlich sollten es bis zum Ende des vergangenen Jahres maximal 30 Hektar täglich sein. Die Frist dafür wurde bis 2030 verlängert, bis 2050 strebt die Regierung sogar eine "Netto-Null" im Flächenverbrauch an.

NABU: Ziele so nicht erreichbar

Der saarländische Landesverband des Naturschutzbunds NABU hält das für unrealistisch - unter anderem in Hinblick auf den kürzlich vom Wirtschaftsministerium vorgestellten Masterplan 2 zur Erschließung von Industrieflächen.

Im Rahmen des Plans werden elf Flächen mit ingesamt 350 Hektar aufgeführt, die für künftige Ansiedlungen vorbereitet werden sollen. Insgesamt sollen 65 Millionen Euro in neue Industrieflächen investiert werden.

Recycling von Flächen vorgesehen

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen auch alte, bereits versiegelte Flächen wieder nutzbar gemacht werden, statt ausschließlich neue Gebiete zu erschließen. So solle ressourcenschonend mit Flächen umgegangen werden und so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen werden, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit.

Insgesamt 19 Altstandorte seien in den vergangenen 20 Jahren für die industriell-gewerbliche Nutzung aufbereitet worden - darunter zum Beispiel die Saarterassen in Saarbrücken. Aktuell verhandle man über das Kraftwerk in Ensdorf.

Hürden gebe es bei diesem "ressourcenschonenden Umgang mit Flächen" aber dennoch einige, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Darunter fänden sich beispielsweise die Preisvorstellungen der Eigentümer, Sanierungsrisiken und berg-, planungs-, und baurechtliche Vorgaben.

Forderung: Naturschutz mehr mitdenken

Für den NABU sind diese Hürden für den Naturschutz zu groß. "Die Natur muss in Bebauungsplänen konsequenter mitgedacht werden. Zum Beispiel auch, indem man Neubauten naturnah gestaltet", fordert Julia Michely, Landesvorsitzende des NABU.

Die Versiegelung von natürlichen Böden als endliche Ressource sei in vielerlei Hinsicht problematisch, unter anderem in Hinblick auf den Natur-, Klima- und Artenschutz.

"Wir sehen zum Beispiel, dass der Wasserhaushalt durch die zunehmende Versiegelung von Flächen betroffen ist. Denn die Grundwasserbildung läuft über natürliche Böden, zum Beispiel im Wald."

Artenvielfalt betroffen

Außerdem würde, etwa durch den Umbau einer Wiese in ein Wohngebiet, Lebensraum von Tieren zerstört. Ein weiterer Aspekt: Unversiegelte Flächen seien wichtig, um CO2 zu binden, um den Klimawandel nicht noch weiter zu verschärfen.

Flächennutzung im Saarland

Auch landwirtschaftliche Flächen müsse man aus diesen Gründen besonders schützen, so Michely. Nach Angaben des Ministeriums für Inneres und Bauen werden aktuell knapp 43 Prozent der saarländischen Fläche landwirtschaftlich genutzt. Rund 26 Prozent davon sind Grünland oder Acker-Grünland: "Also wichtiger Lebensraum, zum Beispiel für Insekten", betont Michely.

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